Wasser im Ohr
Adrian Meier
Adrian Meier Redaktor für Gesundheit

« Zurück zur Blog-Übersicht

Man hört schlecht, nimmt Geräusche nur dumpf wahr und hat ein unangenehmes Gefühl im Ohr: das Problem von Wasser im Ohr kennt vermutlich jeder. Während es in den meisten Fällen zeitnah von alleine wieder abfliesst und keine weiteren Probleme bereitet, gibt es auch hartnäckige Fälle, in denen das Wasser zu lange im Ohr verbleibt und sogar zu einem gesundheitlichen Risiko werden kann.

In diesem Ratgeber wird das Thema Wasser im Ohr im Detail betrachtet und es werden sinnvolle Tricks und Hausmittel vorgestellt, die schnell Abhilfe schaffen können. Ebenso werden mögliche Risiken skizziert und Tipps zur Vorbeugung gegeben.

 

Was passiert, wenn Wasser in die Ohren kommt?

Es gibt viele Gelegenheiten, bei denen Wasser ins Ohr gelangen kann: beim Duschen, beim Baden, beim Haare Waschen und natürlich beim Schwimmen oder Tauchen in der Schwimmhalle sowie im Meer. Das Wasser gerät in den Gehörgang, sammelt sich vor dem Trommelfell und blockiert dieses, wodurch wir schlechter hören und Geräusche dumpfer wahrnehmen. Normalerweise fliesst das Wasser innerhalb weniger Momente von ganz alleine wieder aus dem Ohr heraus und es bedarf keinerlei Aktionen.

Nicht nur für Kinder ist Wasser im Ohr unangenehm und nervig

Nicht nur für Kinder ist Wasser im Ohr unangenehm und nervig.

Dadurch, dass sich das Wasser in einem relativ langen, dünnen Kanal, dem Gehörgang, mit glattem Abschluss, dem Trommelfell, befindet, kann es jedoch manchmal dazu kommen, dass nicht sofort wieder herauskommt, sondern "darin stecken" bleibt. Dieses Phänomen haben sicher auch schon einige erlebt.

 

Wie bekomme ich das Wasser aus meinem Ohr?

Zunächst sei gesagt, dass es nicht unüblich ist, dass Wasser im Ohr nicht direkt von alleine wieder verschwindet. Es gibt jedoch diverse Hausmittel, die schnell und einfach Abhilfe schaffen können.

  • Ein bekannter Trick ist das Drehen und Neigen des Kopfes.
  • Auch das Hinlegen auf die Körperseite, auf der sich das betroffene Ohr befindet, kann bereits ausreichend sein.
  • Ein weiterer effektiver, aber unscheinbarer Trick ist einfaches Hüpfen auf der Stelle. Das Neigen des Kopfes und das Hüpfen können auch miteinander kombiniert werden, um so die Effektivität der Methode zu steigern. In den meisten Fällen sollte diese Massnahmen bereits ausreichen, um das Problem zu beheben. Manchmal benötigt das Wasser nur einen kleinen Impuls oder eine andere Fliessrichtung und schon läuft es von ganz alleine heraus.
  • Auch ein leichtes Ziehen am Ohrläppchen kann helfen, da so der Gehörgang in seiner Form leicht verändert wird und ein Abfliessen begünstigen kann.

Leichtes Ziehen am Ohrläppchen begradigt den Gehörgang und lässt das Wasser abfliessen

Leichtes Ziehen am Ohrläppchen begradigt den Gehörgang und lässt das Wasser abfliessen.

  • Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Valsalva-Methode. Hierbei soll die Eustachische Röhre, die Verbindung zwischen Ohr und Mund, geöffnet, beziehungsweise freigemacht und von innen leichter Druck auf das Trommelfell aufgebaut werden. Dazu muss bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase versucht werden, aus der Nase auszuatmen - als würde man sich die Nase putzen, nur diese dabei zudrücken.
  • Sollte dies immer noch nicht zielführend sein, kann mit Hilfe eines Taschentuches oder Wattestäbchens versucht werden, das Wasser aufzusaugen. Hierbei muss allerdings grosse Vorsicht walten, denn es sollten keine Gegenstände zu tief in den Gehörgang geschoben werden, um Verletzungen zu vermeiden. Zu tiefes oder zu kraftvolles Einführen können den Gehörgang und das Trommelfell verletzen oder das Ohrenschmalz komprimieren und direkt vor das Trommelfell befördern. Dadurch würden Symptome von Wasser im Ohr noch verstärkt und das Risiko für Komplikationen erhöht werden.
  • Ein weiterer Trick, der nur äusserst behutsam angewendet werden sollte, ist das Trockenföhnen. Der Föhn sollte auf der niedrigsten Stufe und in einer Entfernung von mindestens 30cm vom Ohr betrieben werden. Die trockene, warme Luft kann das angestaute Wasser schnell verdampfen lassen und so das Problem beheben.
 

Wie schlimm ist Wasser im Ohr?
Kann es sogar gefährlich werden und zu Komplikationen führen?

In der Regel stellt Wasser im Ohr kein Risiko für die Gesundheit dar. Dennoch kann es aber in seltenen Fällen zu Problemen führen.

Sollte keines der zuvor beschriebenen Hausmittel helfen und sich das Wasser bereits einen Tag oder gar länger im Ohr befinden, sollte daher ein Besuch beim Hausarzt oder direkt beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt erwogen werden. Es kann nämlich passieren, dass das Wasser das Ohrenschmalz zu einem grossen Pfropfen aufquellen lässt. Dieser trocknet aus und blockiert das Trommelfell und verstopft das Ohr dauerhaft. Ein Ohrenarzt kann versuchen diesen Pfropfen mit Ohrentropfen aufzulösen oder mittels einer Ohrspülung mit warmem Wasser und hohem Drucken aus dem Ohr zu befördern. Auch wenn es sich so anhört, schmerzhaft ist diese Behandlung nicht!

Neben etwaigen Beeinträchtigungen des Hörvermögens kann Wasser im Ohr auf Dauer auch weitere, gesundheitliche Risiken bergen, da es die Haut im Gehörgang aufweicht und anfälliger für Keime und Bakterien macht, die sich gegebenenfalls sogar schon im Wasser befinden. Insbesondere Süssgewässer wie Seen und Flüsse sowie öffentliche Schwimmbäder und Whirlpools enthalten häufig Erreger, die Infektionen hervorrufen können. Die Folge sind zunächst nur ein Juckreiz oder leichte Schmerzen, doch im weiteren Verlauf können daraus sehr schmerzhafte Erkrankungen wie eine Mittelohr- oder auch Gehörgangsentzündung resultieren.

Wasser im Ohr kann den Gehörgang anfällig für Keime und Bakterien machen

Wasser im Ohr kann den Gehörgang anfällig für Keime und Bakterien machen.

Spätestens in einem solchen Fall sollte ein Arzt konsultiert werden - nicht nur, um die Schmerzen zu lindern, sondern eher, um weiteren Komplikationen vorzubeugen. Ein Nichtbehandeln kann zu chronischen Ohrenentzündungen führen, oder es kann sogar zu einem Degenerieren des Knochens kommen, wenn die Bakterien sich ungehindert ausbreiten und umliegendes Gewebe angreifen. Selbst ein Dauerhafter Hörverlust sind bei schweren Verläufen von Mittelohrentzündungen möglich.

Durch Wasser im Ohr können somit in seltenen Fällen sogar ernsthafte, gesundheitliche Probleme entstehen. Daher lautet unser Appell, Wasser im Ohr nicht zu ignorieren oder zu verharmlosen.

Wenn es nach spätestens zwei Tagen nicht abgeflossen ist, empfehlen wir dringend, medizinischen Rat einzuholen. Die ärztlichen Behandlungsmethoden mittels antibiotischen Ohrentropfen oder, in seltenen Fällen oral einzunehmenden Antibiotika, sind der Regel schmerzfrei, aber sehr effektiv. Die Symptome sind im Normalfall nach ein bis zwei Wochen komplett abgeklungen und die Infektion ausgestanden.

 

Wie kann ich Komplikationen durch Wasser im Ohr vorbeugen?

Die beste Krankheit ist die, die man gar nicht erst bekommt. Daher möchten wir einige Massnahmen vorstellen, die vor Komplikationen durch Wasser im Ohr schützen können.

Ein naheliegender Weg ist, das Wasser von vornherein daran zu hindern, überhaupt ins Ohr zu gelangen. Hierfür gibt es spezielle Wasserschutz-Ohrstöpsel. Diese sind zumeist aus weichem Silikon und werden vor dem Kontakt mit Wasser in den Gehörgang eingeführt. So ist das Ohr sicher vor äusseren Einflüssen geschützt. Sollen die Stöpsel mehrfach verwendet werden, so sind sie nach jedem Gebrauch gründlich zu reinigen und zu desinfizieren, da sonst auch auf diesem Wege Keime ins Ohr gelangen können. Um den natürlichen Schutzfilm der Haut im Gehörgang durch den im Desinfektionsmittel meistens vorhandenen Alkohol nicht zu zerstören, sollte hier ein Produkt mit Glycerin verwendet werden. Dieses sorgt für eine Rückfettung und somit Pflege der Haut.

Ohrstöpsel verschliessen das Ohr und verhindern das Wasser eintritt

Ohrstöpsel verschliessen das Ohr und verhindern das Wasser eintritt.

Wer Ohrstöpsel als unangenehm oder störend empfindet, kann auch auf die Pflege und Stärkung der eigenen Abwehrfunktionen des Körpers und des Ohres setzen. Hierfür eignen sich Ohrentropfen mit Glycerol. Dieses kann sowohl vorbeugend verwendet werden, als auch bestehende, leichte Beschwerden lindern und beseitigen. Glycerol pflegt und schützt einerseits die Haut und macht es somit weniger anfällig für Infektionen, andererseits ist es stark wasserbindend und kann somit sich bereits im Gehörgang befindliches Wasser unschädlich machen.

Wasser im Ohr ist in den allermeisten Fällen absolut harmlos, da es einfach wieder abfliesst. Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen Komplikationen entstehen. Mittels einfacher Tricks und Hinweisen zur Pflege der Ohren können Sie sich selbst schützen und Risiken stark reduzieren. Denn Vorsorge ist immer noch die beste Medizin.