Ohrwürmer
Michael Ronner
Michael Ronner Experte für Technik & Hörakustik

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Ohrwürmer (wissenschaftlicher Name «Dermaptera») kennt man auch unter den Namen Ohrenzwicker, Ohrenkneifer, Ohrenfitzler oder Ohrengrübler. Früher sagte man ihnen nach, in den Gehörgang zu kriechen und dort Schäden anzurichten. Doch diese Legende stimmt nicht. Die Insekten sind völlig harmlos.

Ohrwürmer sind Tierische Insekten und gehören zur Gattung der Fluginsekten und nicht zu den Würmern wie es der Name erahnen lässt. Die Ordnung besteht aus über 2000 Arten mit 11 Familien, welche aktuell auf allen Kontinenten dieser Welt, ausser in der Antarktis zu finden sind.

 

Namensgebung und Taxonomie Ohrwürmer

Der Name «Dermaptera» wurde vom schwedischen Wissenschaftler und Entomologen Baron Carl de Geer (1720 – 1778) eingeführt. Ursprünglich war diese Bezeichnung für eine Gruppe bestehend aus Ohrwürmern, Heuschrecken, Fangschrecken und Schaben angedacht.

Die rund 2000 bekannten in der heutigen Zeit lebenden oder vor kurzem ausgestorben Arten (rezent), werden der Unterordnung «Neodermaptera» zugeordnet.

Weitere Unterordnungen sind nur von fossilen, also ausgegraben Arten bekannt.

Die 11 Ohrwürmer-Familien werden ihrerseits wiederum in 7 Überfamilien eingeordnet:

  • Anisolabidoidea
  • Apachyoidea
  • Forficuloidea
  • Hemimeroidea
  • Karschielloidea
  • Labiduroidea
  • Pygidicranoidea

Der ursprüngliche lateinische Name «auricula» (von auris = Ohr) hat seine Herkunft wahrscheinlich aus der Antike, als Tiere in der Medizin pulverisiert wurden und von Ärzten und Heilern gegen Ohrkrankheiten und Taubheit verabreicht wurden.

Von diesem Namen sind auch die Bezeichnungen «earwig» im englischsprachigen Raum und «perce-oreille» im französisch sprechenden Raum abgeleitet.

Weitere nicht wissenschaftliche Namen im deutschsprachigen Raum sind:

Ohrkneifer, Ohrenfitzler, Ohrenklemmer, Ohrenzwicker, Ohrenschliefer, Ohrawusler, Ohrlaus, Ohrkriecher oder Ohrengrübler.

 

Fossile Belege Ohrwürmer

Ohrwürmer sind seit der Jura Zeit bekannt, da fossile Bilder von Arten der Gattung Forficula aus verschiedenen Gesteinseinlagerungen existieren. Ebenfalls Einschlüsse mit Ohrwurm-Larven sind in Bernstein entdeckt worden.

Ohrwürmer jagen und ernähren sich auch auf und von Pflanzen.

Ohrwürmer jagen und ernähren sich auch auf und von Pflanzen.

 

 

Verbreitung Ohrwürmer

Ohrwürmer sind heute Weltweit und auf allen Kontinenten ausser der Antarktis anzutreffen. Viele Verwandtschaftsgruppen sind pantropisch verbreitet, also in tropischen und subtropischen Zonen aller Kontinente. Wenige sind in der Holarktis zu finden, also in der nördlichen Hemisphäre der Erde.

 

Vorkommen und Lebensweise Ohrwürmer in Mitteleuropa

Ohrwürmer bevorzugen in Mitteleuropa vorwiegend wärmere Gebiete und Habitate. Sie sind in Gärten, Waldrändern, Pärken usw. anzutreffen, wo sich vorzugsweise ihr Lebensraum befindet.

Die Ohrwürmer sind Nacht- und Dämmerungsaktiv und somit vor allem in der Nacht unterwegs. Sie halten sich tagsüber in selbst gebauten Gängen im Erdreich, Boden, unter Steinplatten, Laub, Rinden, Totholz, Steinen, Blumentöpfen, Steinobstkernen und vielen anderen Verstecken auf.

Häufig sind sie in oder auf Blüten zu sehen, wo sie auf Beutetiere warten.

Erwachsene Ohrwürmer überwintern in Böden, Laubhaufen oder in hohlen Pflanzenstängeln.

 

Nestbau und Zuhause Ohrwürmer

Ohrwürmer halten sich stets versteckt in ihren Nestern. Vorzugsweise unter Rinde, Laub, in Spalten oder zwischen Holzstapeln. Auch die Ablage der Eier und die Brutpflege finden in diesen Nestern statt.

 

Überwinterung Ohrwürmer

Im Herbst suchen sich Ohrwürmer einen Unterschlupf unter Baumrinden, in hohlen Pflanzenstängeln und manchmal auch in ungeheizte Bereiche von Häusern wie z.B. einem Dachboden oder einer trockenen Scheune.

 

Fortpflanzung Ohrwürmer

Ohrwürmer bringen in der Regel pro Jahr lediglich eine Generation Nachwuchs hervor.

Nach der Paarung legen Weibchen eine 10 bis 15 cm tiefe Röhre im Erdreich an, wo sie im Frühjahr zwischen 50 bis 100 Eier abgelegen. Diese werden gewendet und gedreht, so dass sie nicht von Pilzen befallen werden.

Aus den Eiern entwickeln sich nach etwa 2-8 Wochen weiss gefärbte Larven, welche im Frühjahr schlüpfen. Sie sehen bereits aus wie kleine Ohrwürmer. Diese werden in der Regel auch beschützt, gepflegt, gesäubert und teilweise sogar gefüttert.

Im Herbst bereits sind die jungen Ohrwürmer schon erwachsen.

Wissenschaftler konnten bei Ohrwürmern schon sehr ausgeprägte Balzverhalten beobachten und die Zangen (lat. Cerci) werden bei der Paarung zum Imponieren eingesetzt.

 

Ernährung Ohrwürmer

Ohrwürmer ernähren sich von Pflanzen oder Insekten und dessen Brut. Nur bei Nahrungsknappheit ernähren Sie sich von abgestorbenen Pflanzenteilen oder Aas von toten Insekten.

Die meisten Arten sind Allesfresser (lat. Omnivore) und ernähren sich von kleineren Insekten wie z.B. von Blattläusen, Schmetterlingsraupen, Milben-Eiern, Apfelwickler, Ohrwürmer usw. Vorzugsweise ernähren sie sich aber von Pflanzenmaterial wie von Blütenteilen, Knospen, Staubblättern, Pilzgeflechten und allenfalls weichen Früchten. Manche Arten leben auch auf der Haut von Fledermäusen oder Riesenhamster-Ratten, wo sie sich von Hautschüppchen und Pilzen ernähren, ohne ihren eigenen Wirten zu schaden.

Harte Schalen und Frucht-Häute können Ohrwürmer nicht anfressen. Auch weichschaliges Obst wie z.B. Trauben oder Kirschen werden in der Regel nur angeknabbert, wenn die Schale bereits beschädigt ist.

Wenn man den Gemeinen Ohrwurm (Forficula auricularia) mal in einem Apfel findet, dass vorzugsweise in den vorhandenen Frasskanälen des Apfelwicklers (Nachtfalter). Arten wie der Sandohrwurm (Labidura riparia) z.B. sind reine Fleischfresser und können zur Schädlingsreduktion beitragen.

Für Gärtner sind Ohrwürmer folge dessen Nützlinge im biologischen Einsatz gegen Schädlinge wie eben z.B. dem Apfelwickler.

 

Biss und Zange Ohrwürmer

Ein «Biss» eines Ohrenkneifers mit seiner Kneif-Zange am Hinterleibsende, ist weder giftig noch tut dieser einem Menschen weg. Ohrenkneifer bauen sich aber bedrohlich auf, wenn sie zu sehr bedrängt werden und wehren sich durch Anheben des Hinterteils samt Zangen.

Wenn Ohrwürmer gestört werden, lassen sie sich einfach fallen und wenn sie angegriffen werden, können sie sich wehren und mit den Zangen ganz leicht zwicken.

Die Zangen (lat. Cerci) werden beim Menschen folglich lediglich zur bedrohlichen Verteidigung eingesetzt.

 

Natürliche Feinde von Ohrwürmern

Zu den natürlichen Feinden von Ohrwürmern gehören Vögel, Frösche, Kröten, Vögel, Krabbenspinnen, Spitzmäuse usw.

 

Wissenswertes zu Ohrwürmern

Biologisch korrekt heissen die in unseren Gefilden rund 1 bis 2 Zentimetern langen und braunen Insekten Dermaptera. Man zählt sie gemeinsam mit den Heuschrecken, Fangschrecken und Schaben zu der Ordnung der «Dermaptera». Mit Würmern haben sie bis auf ihren Namen indes nichts gemeinsam.

Ohrwürmer haben zum Teil flugfähige Flügel, bewegen sich aber lieber zu Fuss fort.

Auffälligtes Merkmal der Dermaptera-Ohrwürmer sind, die zu einem Zangenpaar umgebildeten Hinterleibsfäden. Fühlen sich die Tiere bedroht, strecken sie die Zangen wehrhaft in die Höhe. Für uns Menschen sind sie nicht gefährlich.

Obwohl dieses Lebewesen auch Ohrenzwicker heisst, können Sie uns weder beissen noch wirklich zwicken. Mit seinen Zangen erbeutet der Ohrenzwicker Kleinstinsekten wie z.B. Milben.

Weltweit gibt es rund 2.000 verschiedene Arten eingeteilt in 11 Familien. In der Schweiz ist der sogenannt Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) mit rund 2 cm Körperlänge am weitesten verbreitet.

Fast jeder Mensch kennt dieses Insekt. Sie wohnen in Gärten, Schuppen, in Parks, tummeln sich auf Fallobst und verirren sich auch gelegentlich in Wohnräume.

 

Aussehen und Merkmale Ohrwürmer

Die Vorderflügel der Ohrwürmer sind verhärtet und verkürzt was auch der Name Dermaptera besagt: «derma» bedeutet so viel wie «Leder». Sie bedecken nur den vordersten Teil des Bauch-Unterleibes (Abdomens). Die z.T. flugfähigen häutigen Hinterflügel, werden unter diesen Deckflügeln zusammengefaltet.

Die Zangen (Cerci) sind aus Hinterleibsfäden zusammengebildet und bei männlichen Tieren stärker gebogen, währenddessen sie bei den Weibchen relativ gerade sind.

Einige Familien unterscheiden sich stark von den in Mitteleuropa bekannten Arten. Bei einigen Arten sind die Komplexaugen (auch Facettenaugen) nur sehr klein und die Flügel fehlen.

Grösse:

Die hiesigen Ohrwürmer haben eine Länge bis 20 Millimeter. Ohrwürmer werden grundsätzlich etwa zwischen 5 und 84 Millimeter gross. Der mittlerweile ausgestorbene St.-Helena-Riesenohrwurm (lat. Labidura herculeana) wurde bis zu 84 Millimeter lang. Der Gemeine Ohrwurm (lat. Forficula auricularia) wie er auch in der Schweiz anzutreffen ist, erreicht eine Körperlänge von etwa 10 bis 16 Millimeter.

Farbe:

Die Körper und der Thorax sind meist rötlich-gelblich braun bis schwarz gefärbt. Ihre Körperfarbe ist dunkelbraun- glänzend. Die Seiten des Brustschildes sind hellbraun und sowohl Flügeldecken als auch Beine sind gelblich gefärbt. Die Antennen-Fühler am Kopf sind bräunlich. Die Zangen (Cerci) am Hinterleib sind bei den Männchen eher flach und breit gebogen und bei den Weibchen fast gerade. Die grossen Flug-Flügel sind kompliziert zusammengepackt unter den Flügeldecken versteckt.

Alter:

Je nach Art beträgt die mittlere Lebenserwartung von Ohrwürmern mehrere Monate bis wenige Jahre. Im Durchschnitt leben sie ca. 1 Jahr.

Anatomie Ohrwürmer:

  • 6 Beine
  • 3 geteilter Körper (Kopf, Rumpf, Hinterleib)
  • 2 lange Fühler
  • 2 sehr kurz-verhärtete Vorderflügel
  • 2 häutig-eingefaltete Hinterflügel
  • 1 langgestreckter Hinterleib
  • 2 zangenartige Hinterleibs-Anhänge
 

Wissenschaftlicher Name Ohrwürmer

Der wissenschaftliche Name der Ohrwürmer lautet Dermaptera (Namensgeber De Geer, Jahr 1773).

 

Systematik Ohrwürmer

  • Stamm: Gliederfüsser (Arthropoda)
  • Unterstamm: Sechsfüsser (Hexapoda)
  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Wissenschaftlicher Name: «Metapterygota»
  • Wissenschaftlicher Name: «Neoptera»
  • Wissenschaftlicher Name: «Polyneoptera»
  • Ordnung: Dermaptera (Ohrwürmer)
  • Familie: Forficulidae

Sehen Sie Informationen zu Ohrwürmern und Ihrer Brut im folgenden Youtube-Erklärvideo «So gut kümmern sich Ohrwürmer um ihren Nachwuchs!»:

 

Fragen zu Ohrwürmern

 

Was passiert, wenn ein Ohrenzwicker im Ohr ist?

So manch eine Schweizerin oder ein Schweizer kennt vielleicht noch Geschichten von den Grosseltern, die vor den Ohrwürmern warnten. Diese Gruselmärchen erzählten von Ohrzwickern, die in den Gehörgang von Kindern oder Erwachsenen krochen, sich durch das Trommelfell frassen, um dann Eier im Gehirn abzulegen und zu nisten.

Doch das ist ein Ammenmärchen und unwahr.

Der Name Ohrwurm kommt auch nicht von einer Leidenschaft der lebenden Tiere für menschliche Ohren, sondern von ihrer einstigen Verwendung als Naturheilmittel. Von der Antike bis in die frühe Neuzeit hinein dienten die schabenartigen Tierchen als Medizin gegen Ohrkrankheiten und sogar Taubheit. Zu diesem Zweck wurden sie getrocknet und dann in pulverisierter Form in den Gehörgang gestreut. Wie erfolgreich diese Therapien waren, ist nicht überliefert. Ganz sicher entstand aus dieser Verwendung der spätere lateinische Name Forficulida auricula. «Auris» ist eine Vorsilbe für «Ohr».

 

Sind Ohrwürmer Schädlinge oder Nützlinge?

Gärtner und Biologen sind sich einig: Der Ohrenkneifer ist viel mehr Nützling denn Schädling, denn sie fressen Blattläuse.

Gartenliebhaber regen sich trotzdem gelegentlich über die Präsenz des Tieres auf. In manchen Jahren können sich richtige Grosskolonien bilden. Doch bevor das Insekt als Lästling abgestempelt wird, sollten sich Gärtner und Gärtnerinnen über diese Eigenschaft des Ohrwurmes Gedanken machen: Zur bevorzugten Nahrung der Insekten gehörten nämlich Blattläuse, Eier von Obstbaumwicklern, Milben und Motten.

Damit ist der Ohrenkneifer eigentlich ein biologischer Schädlingsvernichter. Allerdings mögen es die kleinen Tierchen auch süss. Dutzende können sich an herabgefallenem Obst zu schaffen machen. Sie fressen das Obst aber nicht an, wie manchmal behauptet wird, sondern laben sich nur an Druckstellen. Nur selten fressen sie frische Triebe von Grünpflanzen an.

Explodiert eine Ohrwurm-Population, sollten sie vertrieben oder umgesiedelt werden. Ohrenwürmer chemisch zu bekämpfen wäre übertrieben.

Auch im Haus reicht es, einzelne Exemplare einzusammeln und an die Freiluft zu setzen. Angezogen werden die Ohrwürmer meistens durch offen herumstehende Essensreste, den Komposteimer oder im Haus gelagertes Obst.

Die Tierchen tummeln sich im Garten gerne unter Blumentöpfen, Steinen und Untersetzern. Wer sie loswerden möchte, nimmt diese und kehrt die Krabbeltiere mit einem feinen Besen auf einer Wiese ab. Der Abstand zum eigenen Haus sollte aber mindestens 100 Meter betragen, sonst kommen die Tierchen im Handumdrehen zurück.

Wo lebt ein Ohrwurm?

Ein Ohrwurm lebt vorzugsweise in dunklen, trockenen Verstecken unter Rinden, Laubhaufen, in Steinspalten, zwischen Holzstapeln und in vielen anderen Verstecken. Häufig sind sie auf Pflanzenstängeln oder in Blüten zu sehen, wo sie Beutetiere auflauern. Der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) ist auch mal in vorhandenen Frasskammern eines Apfelwicklers (Nachtfalter) in einem Apfel zu finden, wo er nach Eiern und Larven sucht.

Was fressen Ohrwürmer?

Ohrwürmer fressen in der Regel Pflanzen oder kleinere Insekten und dessen Eier, respektive Larven. Die meisten Arten sind Allesfresser (lat. Omnivore) und ernähren sich von Knospen, weichen Früchten, Blattläusen, Milben, aber auch von Hautschuppen und Pilzen auf Fledermäusen oder Riesenhamsterratten, wo sie als Wirt leben. Ohrwürmer sind Nützlinge, da sie nebst Schädlingen auch Pilzgeflechte auf ihrem Speiseplan haben und vertilgen.

Warum heissen Ohrwürmer so?

Ohrwürmer heissen so, da der lateinische Name «auricula» vom Wort «auris» abstammt und Ohr bedeutet. In der Antike verarbeiteten Ärzte und Heiler Insekten durch Mörsern in Pulver. Dieses Heilmittel wurde als Medizin z.B. gegen Ohrkrankheiten und Taubheit verabreicht, indem es in den Gehörgang gegeben wurde. Leider haftet dem Ohrwurm bis heute der Ruf, in den Hörkanal zu kriechen und hinter dem Trommelfell Eier zu legen. Dies ist ein Gerücht und unwahr.

Was passiert wenn ein Ohrenkneifer im Ohr ist?

Sollte sich wiedererwarten ein Ohrwurm in einen menschlichen Gehörgang verirren, so verlässt er diesen freiwillig wieder. Denn das Ohrenschmalz (Cerumen) ist so konzipiert, dass dieses Ohrsekret Insekten abstossen soll. Zudem haben Ohrwürmer erwiesenermassen nichts zu tun mit Ohren, ausser dass diese in der Antike zur Medizin in Pulver gemahlen wurden, um gegen Ohrkrankheiten und Taubheit verabreicht zu werden.