Ohrensausen
Graziella Colacicco
Graziella Colacicco Hörberaterin

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Unangenehme Geräusche im Ohr sind ein weit verbreitetes Leiden und können sehr belastend sein. Grund für den Tinnitus können verschiedenste Grunderkrankungen sein - Häufig wird gar keine Ursache gefunden. Je nach Form bieten sich unterschiedliche Behandlungsformen an. So kommt eine medikamentöse Therapie, Entspannungstraining oder das Tinnitus-Counseling infrage.

 

Was ist Ohrensausen?

Mit dem Begriff Ohrensausen werden umgangssprachlich Ohrgeräusche bezeichnet, die der Mediziner "Tinnitus" nennt. Die Charakteristik der wahrgenommenen Geräusche kann ganz unterschiedlich sein und reicht von Pfeifen über Zischen bis hin zu brummenden Tönen. Bei manchen Menschen ist das Ohrensausen ständig vorhanden. Andere hören die störenden Töne nur zeitweise, zum Beispiel nachts, wenn weniger Umgebungsgeräusche vorhanden sind. Tinnitus tritt meist ganz plötzlich auf, und oftmals ist für den Betroffenen zunächst gar keine Ursache erkennbar.

Prinzipiell unterscheidet der HNO-Arzt zwei Formen des Ohrensausens. Beim objektiven Tinnitus liegt in der Nähe des Innenohres eine Geräuschquelle vor, die mit geeigneten Instrumenten auch für den Ohrenarzt hörbar gemacht werden kann. Eine solche anatomische Besonderheit, die in der Nähe des Ohres Geräusche verursacht, können zum Beispiel Muskelzuckungen im Gaumen sein. Auch verengte Blutgefässe in der Nähe des Innenohres sind eine denkbare Ursache. In diesem Fall nimmt der Betroffene das strömende Blut als pulsierendes Rauschen wahr.

Bei Ohrensausen wird eine Kontrolle durch den HNO-Arzt gemacht

Bei Ohrensausen wird eine Kontrolle durch den HNO-Arzt gemacht.

Beim subjektiven Tinnitus hingegen liegt keine Geräuschquelle vor. Wie das Ohrensausen in diesem Fall entsteht, ist wissenschaftlich noch gar nicht richtig geklärt. Forscher vermuten eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Hörsystem, wodurch es zu einer Wahrnehmung von Geräuschen kommt, die eigentlich gar nicht da sind.

 

Wodurch entsteht Ohrensausen?

Während die Gründe für den objektiven Tinnitus in anatomischen Gegebenheiten liegen und somit relativ klar sind, ist die Ursachenforschung bei der subjektiven Form schon etwas schwieriger. Zahlreiche Phänomene und Krankheiten können eine fehlerhafte Reizweiterleitung nach sich ziehen und somit zu Ohrensausen führen.

Viele Erkrankungen am Ohr selbst gehen mit Ohrensausen einher. Daher wird ein konsultierter Arzt zunächst eine Untersuchung der Ohren durchführen. Eine Mittelohrentzündung, ein Ohrpfropf, ein Riss im Trommelfell oder ein Hörsturz sind mögliche Ursachen. Auch bei Schwerhörigkeit oder Taubheit sind Ohrgeräusche weit verbreitet. Starke Druckunterschiede können das Innenohr ebenfalls so stark irritieren, dass Ohrgeräusche auftreten. Das kann beim Fliegen oder Tauchen über ein Barotrauma, aber auch nach einem Knalltrauma vorkommen. Und auch beim Morbus Menière, einer Innenohrerkrankung mit Übelkeit und Schwindelgefühl, ist Ohrensausen ein typisches Symptom.

Beim Tauchen kann durch starke Druckunterschiede Ohrensausen entstehen

Beim Tauchen kann durch starke Druckunterschiede Ohrensausen entstehen.

Aber auch Krankheitsbilder, die man zuerst nicht unbedingt mit dem Gehör assoziieren würde, können Tinnitus verursachen. Am häufigsten sind hier Herz-Kreislauferkrankungen als Gründe für Ohrgeräusche zu nennen. So kann ein zu hoher Blutdruck zu dauerhaftem Tinnitus führen. Und bei einem niedrigen Blutdruck tritt oftmals kurzzeitiges Ohrensausen auf, wenn der Blutdruck plötzlich stark abfällt (beispielsweise beim Aufstehen).

Andere Ursachen können die Einnahme bestimmter Medikamente oder der übermässige Genuss von Alkohol sein. Neben den genannten Auslösern gilt auch Stress und psychische Belastung als ein Grund für die Entstehung von Tinnitus.

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In vielen Fällen ist keine klare Ursache bestimmbar. Dann spricht man von einem sogenannten idiopathischen Tinnitus.

 

Wie äussert sich Ohrensausen?

Laut schweizerischer Tinnitus-Liga sind etwa 15 Prozent der Menschen von Ohrgeräuschen betroffen. Die Geräusche, die dabei auftreten, sind ganz unterschiedlich. Bei manchen Menschen sind sie nur in bestimmten Situationen vorhanden oder werden lauter und leiser. Bei einigen Betroffenen gehen die Geräusche auch mit einem Schwindelgefühl einher. Der subjektive Tinnitus ist deutlich häufiger als der objektive.

Viele Menschen können ihre Ohrgeräusche gut kompensieren und fühlen sich kaum gestört. Der Mediziner spricht dann von einem Tinnitus ersten Grades. Bei vielen anderen, die von Ohrensausen betroffen sind, werden die Geräusche aber zu einer erheblichen Belastung. So kann Tinnitus zu Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen und sogar Depressionen führen. Treten die Geräusche vor allem nachts auf, wenn rundherum alles still wird, können Schlafstörungen folgen. Bei einem Tinnitus vierten Grades ist der Betroffene schliesslich so stark eingeschränkt, dass er seinen Beruf nicht mehr normal ausüben kann, sich sozial zurück zieht und emotional extrem belastet ist.

Ohrensausen kann zu Kopfschmerzen, Verspannungen und Depressionen führen

Ohrensausen kann zu Kopfschmerzen, Verspannungen und Depressionen führen.

 

Was tun gegen Ohrgeräusche?

Kann der Arzt oder auch der Betroffene selbst eine Ursache für den Tinnitus ausmachen, so gilt es, zunächst die zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln. Am Anfang der Therapie steht also erstmal eine ausführliche Diagnostik, bei welcher der HNO-Arzt prüft, welche Form des Tinnitus vorliegt. Liegt keine idiopathische Form vor, kann die Behandlung der Ursache häufig ausreichen, um die Ohrgeräusche loszuwerden. So hören die störenden Geräusche bei Erkrankungen des Innenohres in der Regel wieder auf, wenn die Heilung vollzogen ist (beispielsweise nach einer Mittelohrentzündung). Und viele Patienten mit einem Bluthochdruck nehmen die Ohrgeräusche nicht mehr wahr, wenn die Blutdruckwerte medikamentös eingestellt sind.

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Anders sieht es beim idiopathischen Tinnitus aus. Da keine andere Krankheit als Störungsursache besteht, muss in einem solchen Fall der Tinnitus an sich therapiert werden. Im Wesentlichen besteht die Therapie des Ohrensausens aus drei Bereichen: Medikamenten, Stressabbau und dem Tinnitus-Counseling.

Medikamentöse Therapie
Vor allem, wenn der Tinnitus akut ist, also noch nicht länger als drei Monate besteht, spielt die medikamentöse Therapie eine übergeordnete Rolle. Eindeutig belegt ist die Wirksamkeit von hochdosiertem Kortison. Dieses wird entweder intravenös (zum Beispiel mit einer Infusion) oder direkt in das Mittelohr verabreicht. Da das Kortison nur für etwa 10 Tage zugeführt werden muss, sind keine der typischen Nebenwirkungen zu erwarten.

Warum Kortison die Ohrgeräusche lindert, ist nicht genau bekannt. In der Gehörschnecke befinden sich sogenannte Andockstellen für den Wirkstoff. Forscher vermuten, dass das Kortison hier abschwellend und entzündungshemmend wirkt. Auch schreiben sie der durchblutungsfördernden und immunologischen Wirkung des Kortisons positive Effekte auf den Tinnitus zu.

Stressabbau: Entspannungsverfahren
Bestehen die Ohrgeräuschen bereits länger als drei Monate, so handelt es sich um einen chronischen Tinnitus. In diesem Fall geht es in der Therapie vor allem darum, die Belastung durch die störenden Geräusche zu minimieren.

Entspannungsverfahren helfen beim Umgang mit den Ohrgeräuschen, haben aber auch einen positiven Einfluss auf die Erkrankung selbst. Da Stress als einer der grössten Risikofaktoren für den Tinnitus gilt, kann die Reduktion der Anspannung zu einer Verringerung der Geräuschbelastung führen. Geeignete Verfahren sind beispielsweise die progressive Muskelentspannung nach Jakobsen, Yoga oder Tai-Chi.

Entspannungsverfahren wie Tai-Chi helfen gegen Ohrensausen

Entspannungsverfahren wie Tai-Chi helfen gegen Ohrensausen.

Weitere Verfahren
Neben den Entspannungstechniken hat sich auch die Musiktherapie als sehr hilfreich erwiesen. Dabei hört der Betroffene Musikstücke, bei denen spezielle Frequenzen gefiltert wurden. In verschiedenen Studien konnte diese Methode die Ohrgeräusche spürbar verringern.

Als alternative Heilmethode eignet sich ausserdem die Akupunktur (Ohrakupunktur). Gleichzeitig können hier auch störende Begleitsymptome wie Konzentrations- oder Schlafstörungen mit behandelt werden.

 

Tinnitus-Counseling

Häufig lässt sich der Tinnitus mit den vorgestellten Methoden zwar etwas lindern, verschwindet aber nicht vollständig. Dann können Betroffene im "Tinnitus-Counseling lernen, besser mit den Geräuschen umzugehen und sie als weniger störend zu empfinden.

Bestandteile eines solchen Trainings ist in den meisten Fällen zunächst eine Aufklärung darüber, was genau die Diagnose Tinnitus bedeutet. Die Betroffenen erfahren hier zum Beispiel, wie der Tinnitus entsteht und welchen Einfluss Stress auf die Krankheit hat.

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In einer anschliessenden Verhaltenstherapie lernen die Erkrankten, den Ohrgeräuschen weniger Raum in ihrem Alltag zu geben. Dies umfasst Strategien wie Phantasiereisen oder diverse Entspannungsmethoden. Auch soll eine kognitive Umstrukturierung helfen, die Ohrgeräusche anders wahrzunehmen.

Bei manchen Menschen findet zusätzlich ein sogenannter "Noiser" Einsatz. Dies ist ein kleines Hörgerät, das Geräusche produziert, die den Tinnitus überdecken.