Ohrenbluten
Adrian Meier
Adrian Meier Redaktor für Gesundheit

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Ohrenbluten sollte auf jeden Fall ernst genommen werden und nötigenfalls von einem Arzt untersucht werden. Es können sich nebst Verletzungen auch Krankheiten beim Austritt von Blut aus dem Ohr verstecken. Vorsicht ist zudem geboten beim Reinigen des Gehörgangs mit Wattestäbchen.

Rinnt Blut aus dem Ohr können Verletzungen, Infekte, Erschütterungen oder Tumoren die Ursache sein. Ein harmloser und eindeutig erkennbar Auslöser (kleine Verletzung durch ein Ohrenstäbchen) ist kein Grund zur Sorge. Wenn das Ohr blutet mit unklaren Ursachen und weiteren Symptomen sollten Betroffene von Ohrenbluten immer einen Arzt aufsuchen.

 

Ohrenbluten kann viele Ursachen haben

Die meisten Menschen haben das schon erlebt: Nach der Reinigung des Gehörgangs gegen Wasser und Cerumen (Ohrenschmalz) befindet sich etwas Blut am Wattestäbchen. Meistens ist das völlig harmlos und es handelt sich nur um winzige Mengen. Kleine Pickel in der äusseren Ohrmuschel können ebenfalls leicht bluten, wenn sie aufplatzen. Neben diesen harmlosen Ursachen gibt es weitere Erkrankungen und Verletzungen, die zu grösseren Mengen Blut aus den Ohren führen können:

  • Fremdkörper
  • Mittelohrentzündungen
  • Trommelfellverletzungen
  • Schädeltraumata
  • Tumore
  • stark erhöhter Blutdruck
 

Vorsicht bei der Verwendung von Wattestäbchen

Die wahrscheinlich häufigste Ursache für Ohrenbluten sind Fehler im Umgang mit den beliebten Wattestäbchen. Entweder werden sie zu tief in den Gehörgang eingeführt oder beim Putzen zu wild bewegt. Schon winzige Verletzungen am Trommelfell können kleine Mengen Blut aus dem Ohr nach sich ziehen. Bei allzu wilden Putzbewegungen besteht zusätzlich die Gefahr, dass die Watte vom Stäbchen abgelöst wird. Der harte Teil im Inneren wird dann deutlicher spürbar und führt noch schneller zu Verletzungen.

Häufigste Ursache für Ohrenbluten sind Fehler im Umgang mit Wattestäbchen

Häufigste Ursache für Ohrenbluten sind Fehler im Umgang mit Wattestäbchen.

Kleine Beschädigungen des Gehörgangs oder des Trommelfells heilen in der Regel schnell ab. Dennoch sollte dieser Umgang mit dem Ohr nicht zur Gewohnheit werden. Ohren sind gar nicht so schmutzig, wie manche Menschen denken. Durch den Ausfluss von Ohrenschmalz reinigen sie sich weitestgehend selbst. Der Schmalz selbst kann im äusseren Abschnitt des Gehörgangs mit einem Stäbchen sachte weggeputzt werden. Es gibt also keinen Grund, Stäbchen weit ins Ohr einzuführen. Bei Gefühlen eines Fremdkörpers, also wenn das Ohr verstopft ist oder Flüssigkeit im Ohr, liegen meistens andere Ursachen vor. Diverse Hörstörungen können den Eindruck eines Fremdkörpers entstehen lassen. Exzessives Putzen und das Risiko von Verletzungen wäre hier der falsche Weg. Natürlich sollten zum Reinigen der Ohren niemals spitze Gegenstände benutzt werden. Haarnadeln, Schlüssel oder Besteckgriffe sind zur Ohrreinigung gänzlich ungeeignet.

 

Verletzungen durch Fremdkörper im Ohr

Das Ohr ist durch die Ohrmuschel und den gewundenen Gehörgang normalerweise gut geschützt. Trotzdem ist es nie ganz auszuschliessen, dass sich ein Fremdkörper ins Ohr „verirrt“. Kleinkinder können sich im Spiel alle möglichen winzigen Gegenstände wie Kügelchen, Erbsen oder Schmutz ins Ohr stecken. Bei Erwachsenen sind es meistens Ohrpfropfen, Insekten oder Kleinstteilchen aus der Natur, die ins Ohr geraten sind. Durch Reibung oder spitze Kanten entstehen Verletzungen und es tritt etwas Blut aus dem Ohr. Massive Fremdkörper aller Art sollten nie selbst entfernt werden. Die Gefahr, das Objekt dabei immer weiter in den Gehörgang zu drücken, wäre zu gross. Flüssigkeit im Ohr können sich ebenfalls wie ein Fremdkörper anfühlen. Nach dem Duschen oder Schwimmen kann etwas Wasser im Ohr drücken. Hier hilft sanftes Klopfen gegen das Ohr bei schräg geneigtem Kopf. Das Wasser fliesst dann schnell ab. Es gibt Erkrankungen, die mit Eiter, Gewebsflüssigkeit oder eben auch Blut aus dem Ohr einhergehen können. Die verursachen normalerweise aber schon bei kleinsten Mengen deutliche Schmerzen oder Druckprobleme.

 

Ohrenbluten während einer akuten Mittelohrentzündung

Der Fachbegriff für die Mittelohrentzündung ist Otitis media. Es gibt verschiedene Auslöser:

  • Bakterien, die vom Hals-Rachen-Raum aufsteigen.
  • Viren, die über die Schleimhäute eingeschleppt werden.
  • Folge einer Verletzung durch Fremdkörper.

Betroffen sind besonders häufig Kinder, wobei die Krankheit auch bei Erwachsenen vorkommt. Durch die Entzündung bilden sich Wundsekrete im Innenohr. Üben sie zu viel Druck aus, kann das Trommelfell verletzt werden. Bei sehr starken oder unbehandelten Mittelohrentzündungen treten häufig Eiter und Blut aus dem Ohr. Da Mittelohr-Entzündungen sehr schmerzhaft sind und zu Gehörschäden führen können, sollten sie immer von einem Arzt behandelt werden.

 

Blut aus dem Ohr nach einer Trommelfellverletzung

Risse oder ein Loch im Trommelfell können nicht nur durch zu intensives Putzen entstehen. Weitere Auslöser sind:

  • Knalltraumata
  • Schläge aufs Ohr (Ohrfeige)
  • plötzliche heftige Druckunterschiede (Flugzeug, Tauchen)
  • Sprung ins Wasser
  • Airbags
  • usw.

Ein gerissenes Trommelfell macht sich durch stechende Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit, Schwindel und den Austritt kleiner Mengen Blut aus dem Ohr bemerkbar. Bei Verdacht auf eine Trommelfellverletzung ist der Gang zum Hausarzt respektive Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO/ORL) unvermeidbar. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf eine vollständige Heilung.

 

Ursache Schädeltrauma und Hirnblutung

Der Schädel-Basis-Bruch ist die häufigste Form des Schädeltraumas. Durch einen Sturz oder Gewalteinwirkung kommt es zu einer Fraktur an der Schädelbasis. Neben Symptomen wie einem Bluterguss an den Augen, Gesichtslähmungen und Hörstörungen kann Blut aus dem Ohr austreten. Das Blut stammt von Verletzungen im Ohr oder von Blutergüssen, die sich tiefer im Schädel gebildet haben. Kopfverletzungen sollten nie auf die leichte Schulter genommen werden. Wer nach einem Sturz auffällige Veränderungen bei sich beobachtet, muss sich unverzüglich in Behandlung begeben. Neben Brüchen kann sich eine schleichende Hirnblutung gebildet haben. Eine Hirnblutung kann übrigens auch ohne Sturz einstellen. Ursachen sind dann ein extrem hoher Blutdruck oder missgebildete Gefässe. Alle anderen traumatischen Einwirkungen auf den Kopf und Schädel (Schläge, hart geschlagene Bälle usw.) können ebenfalls Gefässe zum Platzen bringen und zu kleinen Mengen Blut aus dem Ohr führen.

Ein Symptomen eines Schädel-Basis-Bruch ist Blut, das aus dem Ohr austreten

Ein Symptomen eines Schädel-Basis-Bruch ist Blut, das aus dem Ohr austreten.

 

Tumore als Ursache für Ohrenbluten

Ohrentumoren sind sehr selten und die meisten sind gutartig. Harmlose Geschwulste entstehen aus Gewebeveränderungen. Gelegentlich bilden sich tumoröse Wucherungen an den Gehörknöchelchen. Bösartige Tumore können Haut-Melanome im äusseren Bereich des Ohres oder Veränderungen der Ohrschmalz (Cerumen) produzierenden Zellen sein. Beides kommt nur sehr selten vor.

 

Blut aus dem Ohr durch erhöhten Blutdruck

Wer grundsätzlich einen sehr hohen Blutdruck hat, neigt leichter zum Platzen von kleineren Blutgefässen (Adern). Das kann die Nase, das Ohr und andere stark durchblutete Schleimhäute betreffen. Manchmal schiesst der Blutdruck durch körperliche Anstrengungen oder Stress kurzzeitig enorm in die Höhe und lässt Äderchen platzen. Menschen können durch den Verlauf und die Struktur von Blutgefässen eine Neigung zu solchen Mini-Blutungen haben. Ein krankhaft und dauerhaft stark erhöhter Blutdruck sollte natürlich behandelt werden. Kommt das zeitweise Platzen von Äderchen öfters vor, ist es ebenfalls ratsam die genaue Ursache abklären zu lassen. Im Zweifelsfall müssen Erscheinungen wie Blut aus dem Ohr immer von einem Arzt begutachtet werden. Texte und Informationen im Internet können nie die Leistung und Erfahrung eines erfahrenen Mediziners ersetzen.