Kommunikation
Graziella Colacicco
Graziella Colacicco Hörberaterin

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Unter Kommunikation versteht man den Austausch von Informationen und die Kontaktaufnahme zu einem oder mehreren Gegenübern. Neben dem hörbaren und sichtbaren Ausdruck über Stimme, Gestik und Mimik spielen nonverbale Ausdrucksweisen eine grosse Rolle. Gelungene Kommunikation verbindet und schafft Fortschritt. Misslingt Kommunikation entstehen Disharmonien, Missverständnisse und Probleme.

Schon im Mutterleib lernen wir die Kommunikation. Das menschliche Ohr ist das Sinnesorgan, welches als erstes als Embryo ausgebildet wird. Aber Sprache ist nur eine Art der menschlichen Kommunikation, unter welche die Lautsprache, Gebärdensprache und Schriftsprache fallen.

 

Die menschliche Sprache ist nur ein Teil der Kommunikation

Das Wort Kommunikaton stammt vom lateinischen Verb «communicare» ab. Mögliche Übersetzungen sind «teilen», «mitteilen», «teilnehmen lassen» oder «gemeinsam machen». Das Sachwort «Communicatio» bedeutet «Mitteilung».

Wir teilen uns überwiegend über die Sprache mit. Begleitet wird die Stimme immer von Mimik, Gestik und anderen körpersprachlichen Elementen. Tiere verfügen über Signal-Systeme, welche in ihrer Komplexität und Leistungsfähigkeit mit der menschlichen Sprache nicht vergleichbar sind. In der Evolution ist die Entwicklung der menschlichen Sprache bildend für Kulturen. Die menschliche Sprache existiert seit mindestens 40'000 Jahren. Die schriftliche Sprache hat sich ca. 5000 Jahre vor Christus entwickelt. Die Bildung des Sprachtaktes und die Lautbildung, sind wie das Gehör ein komplexer Prozess, welcher sich in den ersten Lebensjahren nach dies nach entwickelt. An der Stimmbildung sind verschiedene anatomische Körperteile beteiligt. Die menschliche Sprache wird in Lehr-Lern-Dialogen von Erwachsenen an Kinder weitergegeben. Sie benötigt folglich einen Sender und Empfänger. Die menschliche Kommunikation an welche wir denken, findet über Schallwellen in der Luft statt. Der Mund sendet Sprache an ein fremdes Ohr, welches diese im Gehirn decodiert und umsetzt.

In diesem Blog geht es jedoch um die Kommunikation, wovon die Sprache nur ein Teil davon ist.

 

Was ist Kommunikation genau?

Neben den sichtbaren kommunikativen Ausdrucksweisen gibt es zahlreiche unsichtbare Anteile der Kommunikation. So tauschen wir zum Beispiel auch Gerüche aus, die von unbewussten Sinnesebenen empfangen und verarbeitet werden. Kommunikation ist ein sehr weites Feld und ragt in die Psychologie. Manchmal ist sie schwer zu verstehen und bereitet im zwischenmenschlichen Miteinander grosse Probleme.

Hat man die Grundprinzipien einmal verstanden kann die Mitteilung und Verständigung einfacher werden. Um die Besonderheiten menschlicher Kommunikation verständlich zu machen, gibt es eigene Forschungszweige. Sprach- und Verhaltensforscher haben diverse Kommunikationsmodelle erstellt. Sie sollen helfen, im Alltag besser miteinander auszukommen.

 

Das Eisbergmodell nach Sigmund Freud

Vor etwa einhundert Jahren erstellte der berühmte Psychiater Sigmund ein Kommunikationsmodell, das bis heute anerkannt ist. Freud beschäftigte sich intensiv mit der menschlichen Psyche und den Grenzen zwischen bewussten und unbewussten Verhaltensweisen. Sein Eisbergmodell geht davon aus, dass der bewusst wahrnehmbare Informationsaustausch nur 20 % ausmacht. Die restlichen 80 % laufen unbewusst ab.

Auf der bewussten Ebene sah Freud alltägliche oberflächliche Mitteilungen: Sprachliche Aussagen zu Fakten, Wünschen, Vereinbarungen, Gefühlen usw. Die unbewusste Ebene teilte er in zwei Stufen: Auf der teilbewussten Ebene befinden sich Persönlichkeitsstrukturen, erlernte Verhaltensweisen, Ängste oder auch verdrängte Konflikte.

Im völlig unbewussten Anteil schlummern Botschaften aus dem Instinkt, dem Triebleben oder dem kollektiven Unterbewusstsein.

Im Alltag erkennen wir das Vorhandensein dieser Elemente daran, dass wir das Gefühl haben, jemand meint die Dinge, die er sagt nicht wirklich so. Oder von jemandem, der oberflächlich nett auftritt, geht eine undefinierbare Antipathie aus. Ohne einen sachlichen Grund dafür nennen zu können, gehen wir solchen Leuten lieber aus dem Weg. Wir wollen nicht mit ihnen kommunizieren und vertrauen unserem «Bauch» oder unserer Intuition.

 

Das 4 Ohren Kommunikationsmodell

Etwas einfacher ist das Modell des deutschen Kommunikationswissenschaftlers Friedemann Schulz von Thun. Er verteilte die Übermittlung von Botschaften auf vier Grundebenen:

  • Sachebene
    Daten, Fakten, Zahlen – Was genau wird gesagt?
  • Selbstoffenbarung
    Gefühle, Absichten, persönlicher Ausdruck – Welche Botschaft (bewusst oder unbewusst) wird zwischen den Zeilen gesendet?
  • Beziehungsebene
    Verhältnis zwischen Sender und Empfänger, Respekt, Zuneigung, Abneigung, Angriff oder Kooperation – Welche übergeordneten Ziele verfolgt eine Botschaft?
  • Appell
    Aufforderung, Emotion – Was soll der andere für mich tun?

Probleme entstehen nach Schulz von Thuns Meinung durch Verwechslungen der Ebenen: Eine Person sagt etwas Sachliches und der Empfänger wertet es als Appell.

 

Die Transaktionsanalyse

Vor etwa 60 Jahren entwickelte der amerikanische Psychologe Eric Berne die Transaktionsanalyse. Diesem Konzept nach kommunizieren wir auf diesen drei Ebenen:

  • Eltern-Ich
  • Erwachsenen-Ich
  • Kind-Ich

Im Kind-Ich finden sich alte Schmerzen und Traumata, das Erwachsenen-Ich ist rational. Das Eltern-Ich kommt zum Einsatz, wenn wir andere führen oder «erziehen» wollen.

 

Verschiedene Elemente der Kommunikation

Kern aller kommunikativen Ausdrücke sind

  • Informationen.

Das Wort kommt vom lateinischen «informare» und bedeutet «in Form bringen» oder «bilden».

Die Information selbst ist also etwas, das Gestalt hat. Es kann ausgetauscht und von anderen verstanden werden. Weitere Kommunikationselemente sind Absichten und Beziehungen:

  • Ausdruck von Zielen und Wünsche
  • die Notwendigkeit der Klärung von Missverständnissen und Konflikten
  • Aufforderungen und Appelle
  • der alltägliche Selbstausdruck.

Typisch für den kommunikativen Austausch ist das Vorhandensein eines Senders und mindestens eines Empfängers oder auch mehrerer. Kommunikation kann auch über das Radio oder den Fernseher stattfinden, ohne zu interagieren. Ein Nachrichtensprecher sendet Informationen mit Themeninhalten, welche einen Empfänger finden.

Zur kommunikativen Kontaktaufnahme nutzen wir analoge und digitale Medien wie: Sprache und Stimme, Schrift, Briefe, E-Mails, SMS, Social Media Posts, Telefonate, Videoanrufe usw.

Selbst Indianer Kommunizieren nicht nur über Sprache und Laute, sondern über Rauchzeichen und Musik kommuniziert ebenfalls mit Lyrics und Emotionen.

Daneben gibt es auch zahlreichen Formen indirekter persönliche Mitteilungen: Als Teil der Ebene der Selbstoffenbarung senden Personen Botschaften über Stimmungen Gruppenzugehörigkeiten oder Geisteshaltungen. Die dazugehörigen kommunikativen Ausdrucksmittel sind zum Beispiel Kunst, bestimmte Kleidungsstile oder eine Lebensweise, die eine Botschaft transportiert.

 

Was ist Unterschied zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation?

Verbale Kommunikation ist die sprachliche Verständigung über Wörter, nonverbale Kommunikation (auch averbale Kommunikation), ist die Verständigung ohne Wortemittels Mimik, Gestik und Körperhaltung. Während die nonverbale Kommunikation rund 90% der Interaktion ausmacht, kommen bei der verbalen Kommunikation beim Gegenüber lediglich rund 10% an.

 

Die verbale Informationsübermittlung

Im Alltag kommunizieren wir hauptsächlich über die Stimme und Sprache. Gestik und Mimik sind Ausdrucksformen, mit der wir unsere verbalen Botschaften unterstreichen. Der sprachlichen Mitteilung und Artikulation, geht immer eine Absicht oder eine Notwendigkeit voraus. Wir wollen etwas sagen oder müssen es. Die Absicht wird vom Willen und der Persönlichkeit geformt.

Dank unserer Sprachfähigkeit können wir Worte und Sätze mit bestimmten Bedeutungen formen. Im Kehlkopf produzieren wir mit den Stimmbändern Töne und Geräusche, die als Schallwellen unseren Körper verlassen und zu einem Empfänger transportiert werden. Der Empfänger nimmt die kommunikative Sprachbotschaft hauptsächlich mit den Ohren über die Ohrmuschel und dem Hörsinn auf. Nur wenn jemand genügend laute Schallwellen produziert und sendet, kann der Körper einer räumlich nahestehende Personen in Schwingung versetzt werden und die Schall Informationen empfangen.

Sprachliche Botschaften werden vom Gehirn des Empfängers verarbeitet. Dort gibt es mehrere kommunikative Zentren, die entscheiden, wie eine empfangene Botschaft bewertet und gegebenenfalls beantwortet wird. Das alles sind Mechanismen, die meistens in Sekundenschnelle ablaufen. Wir können in der Kommunikation Aussendungen und Reaktionen kontrollieren oder sie sind automatisch.

Wie wir kommunizieren, reagieren und antworten hat mit unserer Persönlichkeit, unseren Erfahrungen und dem Charakter zu tun. Wir Menschen sind die einzigen Wesen auf diesem Planeten, die den sprachlichen Ausdruck zu Kommunikationszwecken so weit entwickelt haben. Man sagt auch «etwas Ausdruck verleihen».

Die allgemeine Lautlehre (Linguistik), befasst sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der menschlichen Sprache. Die Phonologie als Teilgebiet der Linguistik befasst sich mit dem Lautsystem einer Sprache. Hingegen werden bei der Phonetik, die Laute unabhängig von ihrer Eingliederung in die Sprache beschrieben. Mit Stimmhöhe und Lautstärke können Menschen Emotionen und Informationen in Ihre Sprache integrieren.

 

Kommunikation dient der Beziehungspflege

Es gibt einige wenige Formen einseitiger Kommunikation: Es wird nur eine Botschaft ausgesendet, ohne eine Rückmeldung zu erwarten. Meistens haben kommunikative Elemente den Sinn und Zweck, Austausch herzustellen. Wir erwarten oder beabsichtigen bestimmte Antworten. Die können auf der Sach- oder Beziehungsebene liegen. In den allermeisten Fällen soll durch Kommunikation eine Beziehung hergestellt, gepflegt und gefestigt oder auch beendet werden. Das ist im privaten und beruflichen Bereich der Fall.

 

Die Geheimnisse guter Kommunikation

Das kommunikative Miteinander kann manchmal komplex und schwierig erscheinen. Dabei sind die Grundprinzipien ganz einfach:

Wird die Mitteilung vom Gegenüber angenommen und verstanden hat ein erster Erfolg stattgefunden. Kommt dann auch noch die erwartete Antwort zurück, hat der Empfänger der Botschaft einen weiteren Erfolg zu verzeichnen. Kommt die Nachricht nicht an oder wird nicht verstanden, ist die Übermittlung misslungen. Oder aber sie ist angekommen und traf nicht auf die erwartete Gegenreaktion.

Gelungene Kommunikation gleicht einem Ping-Pong-Spiel zweier Freunde, die miteinander und nicht gegeneinander spielen. Man spielt sich den Ball zu, hält die Spannung am Spiel, versucht aber nicht den anderen aus dem Spiel zu drängen, um zu gewinnen. Es geht um die Freude an der Sache.

In der Alltagskommunikation kann man sich an diese Grundregeln halten:

  • Ausdrücken, was man wirklich sagen möchte.
  • Positive, verbindende und konstruktive Formulierungen verwenden.
  • Grenzen wahren.
  • Empathisch sein.
  • Ich-Botschaften statt Du-Botschaften formulieren.
  • Das Gegenüber immer wertschätzen.
  • Empfängergerecht kommunizieren.
  • Nutzen, Konsens und Freude kommunizieren.
  • Dem Gegenüber wirklich zuhören und offen für Neues sein.

In schwierigen Situationen und bei Konflikten gelten diese Kommunikationsregeln:

  • Möglichst sachlich bleiben.
  • Niemals die Persönlichkeit eines anderen angreifen, sondern nur das Verhalten kritisieren.
  • Lösungsorientiert sprechen und argumentieren.
  • Neue Aussage mit einem «Ja» oder einer positiven Formulierung beginnen.

Selbst Staats- und Regierungschefs welche sich spinnefeind sind, müssen bei gegenseitigen Interesse kommunizieren. Gerade hier spielen psychotaktische Spiele wie Mimik und Gestik eine zentrale Rolle. Sie unterscheiden sich nicht von guten Schauspielern oder Psychologen, welche sich aus beruflichen Eigenschaften in eine empathische Rolle schlüpfen.

 

Wir können nicht nicht-kommunizieren

Menschen sind kommunikative Wesen. Selbst, wenn wir nicht sprechen, kommunizieren wir ständig durch nonverbale Ausdrucksmittel:

  • Körperhaltung
  • Körpergerüche (Angstschweiss, Hormone)
  • Kleidung
  • Verhaltensweisen
  • Blicke
  • Muskelspannung und Körpersprache.

Selbst wenn wir an einer anderen Person vorbeilaufen und sie nicht grüssen oder nicht beachten, kommunizieren wir in einer Form. Dieses Verhalten kann die Botschaft Desinteresse oder auch Respekt (Distanzwahrung) transportieren. Als kommunikative Wesen nehmen wir über alle Sinnesorgane ständig Informationen auf. Das Gehirn verarbeitet jeden Tag Milliarden Signale, die mit irgendeiner Art von Kommunikation und Botschaften aus unserer Umwelt zu tun haben.

Auch Eigengespräche sind eine Art von Kommunikation. Wir kommunizieren mit unseren Haustieren, Wildtieren, ja wir sprechen sogar mit unseren Zimmer-Pflanzen. Aber auch Tiere und Pflanzen kommunizieren untereinander. Heute weiss man, dass Pflanzen über Luft kommunizieren können. Sie geben über den Wind flüchtige, organische Stoffe, sogenannte Blattduftstoffe ab (engl. volatile organic compounds). Diese Duftstoffe werden von ihren Artgenossen in der Umgebung aufgenommen und verarbeitet.