Hörstörungen
Adrian Meier
Adrian Meier Redaktor für Gesundheit

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Hörstörungen verursachen temporäre oder bleibende Schwerhörigkeit verschiedenen Schweregrades und entstehen durch angeborene oder erworbene Fehlbildungen, Verletzungen, Unfälle, Traumata (Knalltrauma), Krankheiten oder Alterung. Ohrenärzte ermitteln Gründe und Auswirkungen mit audiologischen Tests.

Störungen am Gehör umfassen das Aussenohr, Mittelohr, Innenohr oder die Hörbahnen bis zum Sprachareal des Gehirns. Die Funktionseigenschaften des Gehörs, die Erkennung von Hörstörungen, die Lokalisation und die Klassifikation des Schweregrades von Hörstörungen liefern Hörtests und weitere audiologische Prüfungen. Es wird in drei verschiedene Arten von Schwerhörigkeit unterteilt, der Schallleitungsschwerhörigkeit, der Schallempfindungsschwerhörigkeit und der kombinierten Schwerhörigkeit.

 

Verschiedene Ursachen von Hörstörungen

Hörstörungen können in jedem Lebensalter auf einer oder beiden Seiten auftreten und vorübergehend oder dauerhaft sein. Wenn Menschen schlecht hören, kann das viele Ursachen haben. Die Anatomie und Physiologie des Ohres umfasst eine breite Kette unseres Gehörs, welches durch genetische und äussere Einflüsse gestört werden kann.

Bereits durch pränatale Fehlentwicklung des Ohres im Mutterleib, können Kinder mit fehlgebildeten Hörorganen wie z.B. einer dysfunktionalen Hörschnecke (lat. Cochlea) auf die Welt kommen. Weiter können Unfälle oder Krankheiten zu Hör- und Nervenschäden führen oder die Leistungsfähigkeit des Ohres lässt im Zuge degenerativer Alterserscheinungen nach.

Ursachen von Hörstörungen können sein:

  • Ererbte und erworbene Hörstörungen
  • Verstopfung (Ohr verstopft)
  • Verletzungen/Unfälle
  • Erkrankungen/ Entzündungen/Tumore
  • Vergiftungen (Ototoxie)
  • Lärm
  • Alter

Frühkindliche Hörstörungen werden unterteilt in ererbte- und erworbene- Schwerhörigkeiten:

Ererbte Hörstörung als Ursache

Bei der ererbten Hörstörung (Hereditäre Schwerhörigkeit) liegt ein genetischer Defekt zugrunde. Gene können folglich Innenohrschwerhörigkeiten verursachen. Ein Grossteil von Genen, welche eine Innenohrschwerhörigkeit verursachen können, wurde bis heute bereits identifiziert.

Nicht-Syndromale Hörstörung:

Ungefähr 80% der genetisch bedingten Hörstörungen sind «nichtsyndromale», angeborenen Hörstörungen. Bedeutet, es kommt nebst der Hörminderung zu keinen weiteren, mit der Grunderkrankung in Zusammenhang stehenden Symptomen.

Bei den meisten Menschen ist nur ein Genort durch eine Mutation (lat. mutare) verändert. Die häufigste Form einer erblichen, nichtsyndromalen Form einer Hörstörung, beruht auf Mutationen im sog. GJB2-Gen, auf welchem das Protein Connexin 26 codiert wird. Dieses ist wichtig für das Kalium-Recycling im Innenohr. Weil Kinder bis auf eine Schwerhörigkeit keine weiteren Krankheits-Symptome aufweisen, wird diese Form auch als «nichtsyndromal» (ohne Auftreten weiterer Komplexe an Symptomen) bezeichnet.

Diese nichtsyndromale Form der Innenohrschwerhörigkeit, wird zum grössten Teil «autosomal rezessiv» vererbt. Autosomal-Rezessiv kann vom Grossvater oder der Grossmutter vererbt sein (Chromosom 1-22).

Autosomal bedeutet indes, dass sich der Genort nicht auf den Geschlechts-Chromosomen X und Y befindet.

Rezessiv (lat. recedere = zurücktreten) beim Erbgang bedeutet, wenn der Defekt nur dann auftritt, wenn sich der Defekt auf paarweise beiden vorhandenen, homologen Chromosomen findet.

Häuftig bei einer autosomal-rezessiv vererbten und nicht-syndromalen Hörstörung, lassen sich zudem veränderliche Mutationen im GJB6-Gen (Gen für Connexin 30) nachweisen.

Es gibt «dominante» und «rezessive» Erbfaktoren. Ist der Erbgang überwiegend autosomal-dominiert, d.h. die Schädigung des Genortes auf einem der beiden homologen Chromosomen, so kann die Hörstörung in der Familiengeschichte nachvollzogen werden. Autosomal-Dominant kann direkt von den Eltern vererbt sein (Chromosom 1-44). Gonosomal ist eine Erbkrankheit, bei welcher die X und Y Chromosomen betroffen sind (eher X-Chromosom).

Syndromale Hörstörung:

Bei «syndromalen» Hörstörungen sind mehrere Genorte von Mutationen betroffen, wobei parallel mehrere Krankheits-Symptome zum Vorschein kommen. Eine Schwerhörigkeit entwickelt sich z.T. erst im Laufe des Lebens eines Betroffenen. Es sind über 300 Syndrome bekannt, bei welche auch eine Hörstörung zum Symptom-Komplex hinzugehört. Solche können sein:

  • Usher-Syndrom: Hör-Sehbehinderung (erbliche «Blind-Taubheit»). Kombination von Innenohr-Schwerhörigkeit mit Degeneration der Netzhaut.
  • Alport-Syndrom: Fehlgebildete Kollagenfasern (Bindegewebe). Kombination von Schallempfindungs-Schwerhörigkeit mit Nierenfunktionsstörung.
  • Down-Syndrom (Trisomie 21): Chromosom 21 ist dreimal vorhanden. Können sowohl eine Schallleitungsschwerhörigkeit (Aussenohr & Mittelohr), als auch eine Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr) auftreten.

Hörstörung durch Innenohr-Missbildungen:

Innenohrmissbildungen sind eher selten. Zu den allgemeinen Missbildungen gehört die Dysplasie (dt. Verformung) der Cochlea (=Hörschnecke). Zu den speziellen Missbildungen gehört z.B. die «Mondini-Dysplasie» oder «Mondini-Taubheit». Sie ist eine angeborene Fehlbildung des Innenohres, wobei es keine Schnecke gibt, sondern lediglich einen «Schlauch». Diese Fehlbildung wird autosomal dominant vererbt (kann direkt von den Eltern vererbt sein) und einseitig oder beidseitig auftreten. Folge dessen ist eine Schwerhörigkeit von unterschiedlichen Ausmass bis hin zur völligen Taubheit.

Innenohrmissbildungen können auch nach Röteln-Infektionen während der Schwangerschaft (Rötelnembryopathie) oder durch die Einnahme von z.B. Thalidomid (z.B. Contergan® usw.) während der Schwangerschaft der Mutter vorkommen. In den meisten Fällen sind die Folgen hochgradige Hörstörungen, bis hin zu Taubheiten. Häufig kann dann nicht mal ein Cochlea-Implantat (CI) eingesetzt werden um die Schwerhörigkeit zu versorgen, da die Elektrode des Implantats nicht in die Hörschnecke eingeführt werden kann.

Erworbene Hörstörung als Ursache

Vorgeburtlich erworbene Hörstörung:

Bei einer vorgeburtlich erworbenen Hörstörung stehen diese oft in Beziehung zu einer Infektion der Mutter während der Schwangerschaft. Dies können sein; Röteln oder Syphillis connata (Lues). Schädigungen durch Noxen (lat. noxa = Schaden) wie z.B. Alkohol sind ebenfalls möglich. Von der Mutter auf Bei etwa 1 von 1000 Neugeborenen, wird eine klinisch relevante Hörstörung aufgewiesen.

Während der Geburt können ebenfalls Übertragungen von Infektionen auf das Kind stattfinden wie z.B. das Zytomegalie-Virus oder Sauerstoffmangel (perinatale Hypoxie) und Gelbsucht können zu Schwerhörigkeit führen.

Erworbene Hörstörung nach der Geburt:

Nach der Geburt können Schwerhörigkeiten z.B. durch Einblutungen in der Cochlea oder Hörbahnen und bei Frühgeborenen durch Labyrinthitis, Mumps oder Meningitis (Hirnhautentzündung) ausgelöst werden. Schädigungen am empfindlichen Innenohr können auch durch Medikamente wie Antibiotika oder durch Lärm wie z.B. einem Kuss aufs Ohr entstehen.

 

Arten von Hörstörungen

Grundsätzlich wird zwischen zwei (drei) Hauptarten von Hörstörungen unterschieden:

  1. Schallleitungs-Schwerhörigkeit (betrifft äusseres Ohr und Mittelohr)
  2. Schallempfindungs-Schwerhörigkeit (betrifft Innenohr, Hörnerven oder das Gehirn)
  3. kombinierte Schallleitungs-Schallempfindungs-Schwerhörigkeit.

Arten von Hörstörungen.

Schallleitungs-Schwerhörigkeit

Die Schallleitungsschwerhörigkeit wird auch als Mittelohrschwerhörigkeit bezeichnet, obwohl sowohl das äussere Ohr betroffen sein kann. Hierbei wird die Weiterleitung des Schalls zum Innenohr gestört, sei es durch einen Cerumenpfropf oder einen Mittelohrerguss usw. Abgekürzt wird eine Schallleitungs-Schwerhörigkeit mit SL-SH.

Beispiele Schallleitungs-Hörstörungen:

Bei einer reinen Schallleitungs-Schwerhörigkeit ist das Innenohr in Ordnung und nur die Schalleitung bis dorthin beeinträchtigt. Betroffen ist vor allem der Tieftonbereich und der Mitteltonbereich. Die Schalleitungsschwerhörigkeit, respektive der Hörverlust wird in drei Typen unterteilt:

Versteifungstyp – mögliche pathologische Ursachen:

  • Steife Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboss, Steigbügel)
  • Tubenverschluss mit Unterdruck im Paukenraum (eustachische Röhre)
  • Beginnende Otosklerose
  • Steife Trommelfellnarben

Dämpfungstyp – mögliche pathologische Ursachen:

  • Mittelohrerguss
  • Schlaffe Trommelfellnarben
  • Fibrosierte Gehörknöchelchenkette (lat. fibra = Bindegewebe Vermehrung)
  • Cerumen-Pfropf

Summationstyp (Mittelohrblock) – mögliche pathologische Ursachen:

  • Kombination aus Versteifungstyp & Dämpfungstyp
  • Fortgeschrittene Otosklerose
  • Unterbrochene Gehörknöchelchenkette

Schallempfindungs-Schwerhörigkeit

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit wird auch als sensorineurale Hörstörung bezeichnet und betrifft entweder das Innenohr oder die aufsteigenden Hörbahnen. Hierbei wird die Weiterleitung des Schalls zum Sprachareal des Gehirns gestört, wie z.B. bei der Lärmschwerhörigkeit und der Altersschwerhörigkeit. Abgekürzt wird eine Schallempfindungs-Schwerhörigkeit mit SE-SH. Es gibt 4 Arten von Schallempfindungs-Schwerhörigkeiten.

Beispiele Schallempfindungs-Hörstörungen:

Hochtonschwerhörigkeit (Hörverlust über 4 kHz)

Bei einem Hochton-Hörverlust sind vor allem die hohen-hellen Frequenztöne geschädigt. Wenn der Schaden im Innenohr stattfindet, wird von einer «basocochleären» Hörstörung gesprochen.

Mögliche pathologische Ursachen:

  • Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis)
  • Lärmschwerhörigkeit
  • Knalltrauma
  • Hörsturz
  • Ototoxische Stoffe (Medikamente, Drogen, usw.)

Mitteltonschwerhörigkeit (Hörverlust zwischen 1-4 kHz)

Bei einem Mittelton-Hörverlust sind vor allem die mittleren Windungen der Cochlea (Hörschnecke) betroffen. Aus diesem Grund wird auch von einer «mediocochleären» Hörstörung gesprochen.

Mögliche pathologische Ursachen:

  • Vererbt (hereditär)
  • Hörsturz
  • Ototoxische Stoffe (Medikamente, Drogen, usw.)

Tieftonschwerhörigkeit (Hörverlust unter 1 kHz)

Bei einem Tiefton-Hörverlust (auch apikochleärer Hörverlust) ist vor allem Tieftonbereich (Basstöne) betroffen.

Mögliche pathologische Ursachen:

  • Morbus Meniere
  • Hörsturz
  • Lues (Geschlechtskrankheit)
  • Lepra
  • Röteln in Schwangerschaft (Embryopathia rubeolosa)

Pantonale-Schwerhörigkeit (Hörverlust über alle Frequenzen)

Bei einem Pantonalen-Hörverlust sind alle Frequenzen breitbandig und ähnlich stark betroffen. Hierbei wird auch von einer kombinierten Schwerhörigkeit gesprochen.

Endocochleäre oder sensorineurale Hörstörungen betreffen das Innenohr:

Betrifft die Schallempfindungs-Schwerhörigkeit das Innenohr, so spricht man auch von einer endocochleären Hörstörung. «Endo» stammt aus dem griechischen «éndon» und bedeutet «innen» oder «innerhalb» - also innerhalb der Cochlea und betrifft folglich das Innenohr. Hierbei können z.B. die feinen Haarzellen gestört oder beschädigt sein, was zu einer Innenohrhörstörung führt.

Bei Innenohrbedingten Hörstörungen werden typischerweise zuerst die äusseren Haarzellen zuerst beschädigt, welche für die Verstärkung der leisen Schallreize und die Abschwächung der lauten Schallwellen zuständig sind. Dadurch werden leise Töne nicht mehr gehört und die Hörschwelle verschiebt sich zu höheren Pegeln. Hierbei kann es zu einem sogenannten «Recruitment» kommen.

Retrocochleäre oder neurale Hörstörungen betreffen die Nerven:

Betrifft die Schallempfindungs-Schwerhörigkeit die Hörnerven hinter dem Innenohr, so spricht man auch von einer retrocochleären oder auch neuralen Hörstörung. «Neural» kommt von Neuron oder auch Nervenzelle (altgriechisch νεῦρον neũron) und bedeutet in Deutsch «Sehne» oder «Nerv». Diese Nerven sind für die Informationsübertragung zuständig. Nervenfasern haben ihren Ursprung bei den inneren Haarzellen und bilden als Einheit den Hörnerv. Jede einzelne Nervenfaser bildet quasi einen Ton oder eben eine spezielle Frequenz.

Der Hörnerv gehört ebenfalls zum zentralen Nervensystem, wurde hier von der zentralen oder auch auditiven Hörstörung getrennt.

Zentrale oder auditive Hörstörung betreffen den Hirnstamm oder höhere Zentren:

Betrifft die Schallempfindungs-Schwerhörigkeit den Hirnstamm oder die höheren Zentren, so spricht man von einer zentralen oder auditiven Hörstörung, was ebenfalls dem zentralen Nervensystem zugehört.

Beispiele Schallempfindung-Hörstörungen:

  • Lärmschwerhörigkeit
  • Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis)
  • Recruitment (Lautheitsausgleich)
  • Neurale Schwerhörigkeit (z.B. Akustikusneurinom)
  • Retrocochleäre Tumore
 

Mögliche Hörstörungen auf Weg zum Gehirn – die Hörbahn

Auf dem Weg eines Tones von der Ohrmuschel bis zum Sprachareal des Gehirns lauern viele Angriffspunkte für mögliche Hörstörungen. Nachfolgend eine anatomische Terminologie unseres Gehörs – der Weg vom Ton zum Gehirn anhand der menschlichen Hörbahn (lat. lemniscus):

Aussenohr ⇒ Mittelohr ⇒ Innenohr ⇒ Hörnerv ⇒ Hirnstamm ⇒ Mittelhirn ⇒ Grosshirn ⇒ auditorischer Kortex

Aussenohr:

Schallwellen treffen in Form von Gas/Luft am äusseren Ohr ein und werden über das Trommelfell ans Mittelohr geleitet.

Mittelohr:

Im Mittelohr werden Schalwellen in mechanische Schwingungen umgewandelt und über das ovale Fenster ans Innenohr weitergeleitet.

Innenohr:

Im Innenohr werden durch die Vibrationsbewegungen der Steigbügelfussplatte am ovalen Fenster Druckschwankungen an in der Perilymphe (Flüssigkeit im Innenohr) verursacht. Dadurch wird die Basilarmembran zu wellenförmigen Bewegungen angeregt. Die mechanischen Wellen vom Mittelohr werden so in flüssige Wander-Wellen umgewandelt.

Durch die Bewegungen der Basilarmembran im Innenohr, wird das Corti-Organ welches direkt auf der Basilarmembran sitzt mitbewegt. Durch mechanolektrische Transduktion wird mechanischer Schall in elektrischen Schall umgewandelt. Im Innenohr geschehen folgende drei «Transduktionen» (lat. Hindurchführungen oder Überführungen:

  • Mechanoelektrische Transduktion = Umwandlung eines mechanischen Reizes in einen elektrischen Reiz.
  • Somatische elektromechanische Transduktion = Umwandlung eines elektrischen Reizes in eine mechanische Aktion.
  • Elektrochemische Transduktion = Umwandlung eines elektrischen Reizes in einen chemischen Reiz.

Die Haarsinneszellen im cortischen Organ sind mit afferenten (zum Hirn führend) und efferenten (vom Gehirn kommende) Nervenfasern verbunden, welche als Gesamtheit den Hörnerv bilden.

  • Cochlea (cortisches Organ)
  • Ganglion Spirale (über 30’000 bipolare Nervenzellen)

Hörnerv:

Über den Hörnerv (lat. nervus cochlearis) werden elektrische Hörimpulse zum Hirnstamm geleitet, wie über ein elektrisches Kabel.

  • Nervus Cochlearis

Hirnstamm:

Im nucleus cochlearis einem Hauprgebiet im Hirnstamm, werden ankommende Nervenimpulse verarbeitet und weitergeleitet an weitere Gebiete im Hirnstamm. Aufsteigende Bahnen (lat. lemniscus lateralis et medialis), senden Informationen übers Mittelhirn ans Grosshirn zum primären auditorischen Kortex.

Grosshirn:

Das Grosshirn besteht aus 4 Lappen:

  • Frontallappen – Lobulus frontalis (Stirnlappen)
  • Parietallappen – Lobulus parietalis (Scheitellappen)
  • Occipitallappen (Lobulus occipitalis (Hinterhauptlappen)
  • Temporallappen – Lobulus temporalis (Schläfenlappen)

Im Schläfenlappen (Temporallappen) in der Area 41 (Brodmann-Areal), genauer in den «Heschelschen» Querwindungen, hat das Gehirn bereits viele Parameter der Schallsignale ausgewertet, So etwa die Laufzeitdifferenzen, des an beide Ohren eintreffende Schallsignale, welche eine räumliche Auswertung ermöglicht.

Primärer auditorischer Kortex:

Der primäre auditorische Kortex (von lat audire = hören und cortex = Rinde) ist zuständig für eine tonotope Organisation, sprich er teilt bestimmte Frequenzen an bestimmte Orte und dies über zugehörige Nervenzellen, welche in aufsteigender Frequenz-Reihenfolgen nebeneinander liegen.

Sekundärer auditorischer Kortex:

Der sekundäre auditorische Kortex wertet akustische Muster aus und ordnet dem Gehörten Worte oder Melodien zu.

Weitere mögliche Hörstörungen im Gehirn:

Die durch die Haarzellen aufgenommen Informationen treffen an das Bewusstsein, wo Hörerfahrungen, Erwartungen und Kombination mit Informationen von anderen Sinnesorganen wie z.B. den Augen zusammenspielt. So werden dann akustische Reize auch durch visuelle Eindrücke beeinflusst.

Betroffene Regionen im Hirn für Hörstörungen können sein:

  1. gesprochenes Wort > Area 41,42 > Wernicke (Area22) > Hören und Wortverstehen
  2. Verstehen > Wernike > Broca > Gesicht > Hirnnerven > Sprechen
  3. geschriebenes Wort > Area 17 > Area 18,19 > Area 39 (Gyrus angularis) > Wernicke > Lesen

Hörvorgänge und Hörverlust-Folgen durch Hörstörungen sehen Sie in unserem folgenden Erklärvideo:

 

Lokalisation und Diagnose von Hörstörungen

Bei Neugeborenen wird ein sogenanntes «Neugeborenen-Hörscreening» durchgeführt. Die Messung von sogenannt «otoakustischen Emissionen» hat sich hierbei bewährt. Als zusätzliche Methode dieser objektiven Audiometriemessungen, können mittels BERA (Brainstem Electric Response Audiometry) die frühen akustisch evozierten Potentiale eruiert und ausgewertet werden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kommen häufig auch Reflex- und Verhaltens- Audiometrie zum Einsatz, wobei durch Schallreize unterschiedliche Reflexe wie Liedschlag, Blick- oder Kopf-Wenden ausgelöst werden.

Ab dem 2. Lebensjahr kommen Spielaudiometrie wie z.B. mit Klötzen und ab dem 3. Lebensjahr Kindersprachaudiometrie mittels pädaudiologischer Untersuchungen hinzu.

Bei Kindern, welche bereits sprechen können und bei Erwachsenen, kommen für die Lokalisation einer Hörstörung verschiedene subjektive- und objektive Audiometriemessungen zum Einsatz. Primär steht ein klassischer Hörtest über ein Audiometer im Vordergrund. Hier kommen eine Tonaudiometrie und eine Sprachaudiometrie zum Einsatz, welche von einem Ohrenarzt oder einem Hörakustiker (bei Kindern Pädakustiker) durchgeführt wird. Bei Verdacht auf eine Hörstörung hinter dem Innenohr, kommen weitere audiologische Messverfahren wie zum Beispiel folgende zum Einsatz:

EEG (Elektroenzephalogramm) zur Messung von Hörstörungen zum Hirn

Dank der Elektroenzephalographie lassen sich Informationen über die Aktivität des Gehirns messen. Mit der Messung von akustisch evozierten Potentialen, können Verarbeitungen von Sinnesreizen näher untersucht werden und einer räumlichen Zuordnung zu bestimmten Regionen im Kortex zugeteilt werden.

Mit der BERA (Brainstem Electric Response Audiometry, auch Hirnstammaudiometrie) können in der Audiologie Störungen in der Reizübertragung im Hörnerv diagnostiziert werden. So kann z.B. ein Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom) als Grund für eine Hörstörung diagnostiziert werden. Ein Akustikusneurinom ist ein seltener, aber gutartiger Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs.

 

Therapie von Hörstörungen

Bei Neugeborenen Kindern und Jugendlichen:

Bei ererbten oder erworbenen Hörstörungen kommen eine frühzeitige Anpassung von Hörgeräten oder Knochenleitungsgeräte in Form von Stirnbändern, bereits im Alter von wenigen Monaten zum Einsatz. Im Fall von Taubheit oder an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit, kommt ein Cochlea-Implantat zum Einsatz. Zudem kommen audiopädagogische Frühförderungen zur Anwendung.

Bei Erwachsenen:

Bei Hörstörungen im Erwachsenenalter kommen verschiedene Therapien und Hörhilfen zum Einsatz. Dies ist abhängig, ob eine Hörstörung temporär oder bleibend ist.

Ein typische temporäre Hörstörung ist die «Temporary-Threshold-Shift» (TTS). Sie tritt zeitweise auf bei hohen Schallbelastungen und bildet sich in der Regel innerhalb weniger Stunden wieder zurück. Dabei verschiebt sich die Hörschwelle bei den hohen-hellen Frequenzen (besonders zwischen 3-6 kHz) in den nicht mehr gut hörbaren Bereich. Bei einem verstopften Ohr, reicht eine Ohrspülung.

Eine temporäre Hörstörung kann entstehen durch:

  • Entzündungen (z.B. Mittelohrentzündung)
  • Cerumen (z.B. Ohrpfropf)
  • Temporary-Threshold-Shift
  • Hörsturz
  • Tinnitus (Verdeckung)
  • Tumor (z.B. wenn er auf den Hörnerv drückt)
  • Traumata (z.B. Barotrauma)
  • Verletzungen (z.B. Loch im Trommelfell)
  • Tubenfunktionsstörungen (z.B. Tubenmittelohrkatarrh)
  • usw.

Bei einer temporären Hörstörung ist es abhängig, um was für eine es sich handelt. Unter Umständen regeneriert sich diese von allein. Falls dies nicht der Fall ist, muss diese medikamentös oder operativ behandelt werden. In einem solchen Fall ist ein ORL- auch HNO-Arzt zuständig.

Bei einer bleibenden Hörstörung kommen folgende Hilfsmittel und Hörsysteme zum Einsatz:

  • Hörgeräte
  • Knochenleitungssysteme (BAHA, Knochenleitungsbrille, Kopfbügel)
  • Teilimplantierte Hörsysteme (Soundbridge® usw.)
  • Cochlea-Implantate (CI)
  • Hirnstamm-Implantat
 

Prävention gegen Hörstörungen

Als Prävention gegen Hörstörungen setzt die SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) viel Geld in Präventionskampagnen. Sei es zum Lärmschutz bei der Arbeit oder der Freizeit. Mit Gehörschutzkampagnen und Kontrollen am Arbeitsplatz oder Richtlinien für Discos und Veranstaltungen setzt die SUVA viel Geld in die Werbung, um möglichen teuren Hörschäden präventiv entgegenzuwirken.

Jede Person mit Hörstörung kostet die Versicherung viel Geld, sei es durch Hilfsmittel wie Hörhilfen oder durch Arbeitsplatzverlust, weil betroffene Menschen einen Wettbewerbsnachteil in ihrem Job haben. Dann geht die Versicherung jedoch über in die IV (Invalidenversicherung).

Wichtig - Das Gehör ist wie ein Sonnenbrand – es vergisst nie!

Möglich laute Lärmexpositionen können sofort oder erst Jahre später zum Vorschein treten. Aus diesem Grund gilt – schützen Sie Ihr Gehör und tragen Sie einen Gehörschutz oder stellen Sie die Musik auf einen «normalen» Lautstärkepegel.