Gleichgewichtsstörungen
Adrian Meier
Adrian Meier Redaktor für Gesundheit

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Gleichgewichtsstörungen mit Schwindel haben Ursachen im Gleichgewichtsorgan des Ohrs. Unser Gleichgewichtssinn wird vom im Innenohr, genauer dem Vestibularapparat koordiniert. Das wenige Millimeter grosse Gleichgewichtsorgan sendet bei Störungen und Erkrankungen falsche Informationen an unser Hirn.

Bei Gleichgewichtsstörungen können vestibuläre Funktionsstörung, Ausfälle oder retrocochleäre Entzündungen und Tumore Auslöser sein. So können winzige Kalksteinchen (Kristalle oder Otolithen) Störungen im Gleichgewichtsorgan auslösen. Sie sind Teil einer evolutionären Meisterleistung um den menschlichen Körper in der Horizontalen, Vertikalen- und Diagonalen aufrecht zu halten oder bei Gleichgewichtsstörungen aus dem Konzept zu bringen.

 

Ursachen von Gleichgewichtsstörungen

Gehen, Stehen oder eine neue Richtung einzuschlagen ist so selbstverständlich, dass wir meistens nicht mitbekommen, welche sensorische Meisterleistung dahintersteckt. Erst, wenn das Gleichgewicht verloren geht, merken wir dessen Bedeutung.

Gleichgewichtsstörungen entstehen durch folgende Ursachen:

  • zu schnelle Positionsänderungen
  • körperliche Verspannungen und schlechte Körperhaltung
  • Medikamente (ototoxisch)
  • Alkohol
  • diverse Krankheiten
  • die See- und Reisekrankheit
  • Augenprobleme
  • Vestibularausfall (neuronitis vestibularis)
  • Entzündungen (Gleichgewichtsorgan o. Nerven)
  • Retrocochleäre Tumore (Vestibularisschwannom o. Akustikusneurinom, Hirnstamm)
  • usw.
 

Informationen über Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewicht wird hauptsächlich durch zwei Abschnitte im Vestibularapparat bestimmt:

Im statischen System befinden sich unter anderem tausende feine Sinnes-Härchen, eine Flüssigkeit und winzige Kristalle (Otolithen=Statolithen). Diese Steinchen folgen der Schwerkraft und registrieren über den Kontakt mit den Sinnes-Härchen in der Otholitenmembran unsere Kopfbewegungen.

Im Bogengangsystem nehmen Hohlräume, Sinnes-Härchen und eine gallertartige Masse frontale, vertikale und horizontale Lageveränderungen wahr. Durch Beschleunigungen entstehenden Scherkräfte, lenken die Haare aus und bewirken damit eine Reizung der Sinneszellen. Ähnlich wie beim Autofahren, wird man bei starker Beschleunigung horizontal in den Sitz gedrückt und beim Abbremsen nach vorne geschleudert. Beim Liftfahren wird vertikal nach Oben Beschleunigt.

 

Funktion Gleichgewichtsorgan

Eine wichtige Funktion unseres Vestibularorganes ist also der Erhalt des Gleichgewichtes. Unser menschlicher Körper befindet sich sowohl beim Stand als auch beim Gehen in einem ständig labilen Gleichgewicht. Um eine aufrechte Stellung zu wahren und ein Umfallen zu verhindern, benötigt unser Körper den Gleichgewichts- und Lagesinn. Dieser liefert Lageinformationen und Stellung im Raum an den Hirnstamm und ermöglicht so die Steuerung von Korrekturbewegungen.

Neben den Sinneseindrücken des Labyrinths, werden dem Hirnstamm auch optische Eindrücke der Augen und Informationen der Propriozeptoren zugeführt und darin ausgewertet. Propriozeptorengeben Informationen über die Tiefensensibilität wie, Stellungssinn, Bewegungssinn und Kraftsinn. Diese betreffen sowohl Kopfbewegungen als auch Stand- und Gangmotorik. Durch die Weiterleitung an den Kortex (Hirnrinde), wird die bewusste Wahrnehmung im Raum erst möglich.

 

Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans und Symptome

Das Haupt-Symptom einer vestibulären Funktionsstörung ist der Schwindel (lateinisch Vertigo). Dieser kann jedoch auch bei einer Vielzahl an anderen Krankheiten auftreten. Bei unbekanntem, unklarem Schwindel sind deshalb interdisziplinäre Abklärungen notwendig, da es sich um ein breites Spektrum an möglichen Ursachen handeln kann. So zum Beispiel sind mögliche Ursachen für Schwindel:

  • Schlecht angepasste Brille
  • Kreislaufstörungen
  • multiple Sklerose
  • Kleinhirninfarkt
 

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen

Als Leitsymptom der vestibulären Funktionsstörung gilt folglich der Schwindel.

Bei einem akuten, einseitigen Versibularisausfall (neuronitis vestibularis), tritt ein unvermittelt einsetzender, heftiger Drehschwindel ohne erkennbaren Grund auf. Folgen dabei sind Übelkeit, Erbrechen und heftige Gleichgewichtsstörungen. Parallel gehen spontane, ruckartige Augenbewegungen (Nystagmen) einher. Die Ursache ist diffus und weisst deutliche Parallelen zu einem Hörsturz auf.

Bei einem beidseitigen peripherem Versibularisausfall, ist meist eine systemische Störung der Grund. Auslöser kann zum Beispiel eine Einnahme einses ototoxischen Medikamentes sein. Ototoxisch bedeutet «das Gehör schädigend» und ist meist mit einer Vestibulotoxizität (Schädigung des Gleichgewichtssinns) kombiniert. Dabei treten ebenfalls Gleichgewichtsstörungen auf, welche oft als «Betrunkenheits-Gefühl» bezeichnet werden. In diesem Fall tritt ein Nystagmus nicht auf.

Beim benigner Lagerungsschwindel handelt es sich um einen gutartigen, anfallsartigen, plötzlichen und sich wiederholenden Drehschwindel. Die Wiederholungen dauern meist rund eine Minute und können durch bestimmte Kopfstellungen ausgelöst werden. Man geht davon aus, dass die Beschwerden durch gelöste Kristalle (Otolithen) ausgelöst werden, welche sich aus der Kupula der Makulaorgane gelöst haben.

Bei Reisekrankheit und Seekrankheit (Kinetosen), werden von Augen und Gleichgewichtsorgan unterschiedliche Informationen an das Hirn geliefert, was zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen führt.

Beim Morbus Ménière treten wiederkehrende (rezidivierend) Schwindelattacken mit Drehschwindel auf, welche von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Hinzu kommt ein Druckgefühl im Ohr. Hörverlust und Tinnitus begleiten den Morbus Ménière ebenfalls, wovon der Hörverlust schwankend-fluktuierend ist. Als Grund wird ein «endolympathischer Hydrops» vermutet.

Gleichgewichtsstörungen gehen mit Schwindelattacken einher.

Gleichgewichtsstörungen gehen mit Schwindelattacken einher.

 

Normale Gleichgewichtsstörungen

Fast jeder Mensch kennt kurze Gleichgewichtsstörungen, Orientierungsverlust oder Schwärze vor den Augen:

Kinder und Jugendliche erfahren das Phänomen im Zuge des Wachstums.

Stehen wir zu schnell auf, kann die gesamte Zirkulation und Sinneswahrnehmung einen kurzen Schock erleiden. Wir sehen nichts, taumeln ein bisschen und müssen uns einen Moment um Fassung bemühen. Das passiert vorzugsweise beim Aufstehen aus der totalen Entspannung oder einer sehr angespannten Sitzhaltung. Die enorme Datenmenge, die das Gehirn in Bruchteilen von Sekunden verarbeiten muss, kann einen Kurzschluss auslösen.

Ähnlich ist es, wenn wir uns schnell um die eigene Achse drehen. Es kommt es zum Drehschwindel. Natürlicher Gleichgewichtsverlust reguliert sich nach wenigen Sekunden von selbst wieder.

 

Krankhafte Störungen des Gleichgewichtsorgans

Durch mechanische Erschütterungen, verstörende Sinneseindrücke, Nervenstörungen oder biochemische Einflüsse (Medikamente, Alkohol und Drogen) kann der Gleichgewichtssinn durcheinanderkommen.

Durch Schläge erfährt das feine System des Vestibulapparats ein mechanisches Trauma (Stürze, Unfälle, Gehirnerschütterungen).

Recht verbreitet ist der Lagerungsschwindel, bei dem (vorzugsweise im Alter) Ohrsteinchen in die Bogengänge rutschen.

Bei der See- oder Reisekrankheit liefert der Sehsinn andere Daten als die Ohrsteinchen. Durch die nicht zusammenpassenden Informationen entstehen Symptome wie Übelkeit und Schwindel.

Durch Entzündung, Tumoren oder Nervenkrankheiten kommen eines oder beide Gleichgewichtsorgane durcheinander. Die Auswirkungen reichen von Schwindel und Übelkeit bis hin zum vollkommenen Verlust der Orientierung.

Bei einem Hörsturz oder der Menière'schen Krankheit kommt es zu Tinnitus und Schwindel.

 

Diagnose Gleichgewichtsstörungen

Der Ohrenarzt wird zunächst das gesamte Gehör und insbesondere das Innenohr überprüfen. Zudem führt es bestimmte physische Tests durch, um das Gleichgewicht zu stören und allenfalls auszulösen.

Dann wird er mittels Anamnese über bestimmten Fragen feststellen, ob es sich um eine nervliche oder eine andere Störung handelt.

 

Behandlung und Therapie von Gleichgewichtsstörungen

Bei der See- und Reisekrankheit kann prophylaktisch mit Ingwer vorgegangen werden.

Meist aber weiss man ja im Voraus nicht, wo und wann Gleichgewichtsstörungen auftreten. Hier gilt:

  • Nach mechanischen Traumata erholt sich der Gleichgewichtssinn nach einigen Tagen oder Wochen allein.
  • Beim Lagerungsschwindel erkennt das Gehirn normalerweise die neue Situation und passt die Wahrnehmung an. Alternativ hilft ein Gleichgewichtstraining.
  • Gegen die See- und Reisekrankheit gibt es Medikamente und spezielle Übungen, wie den Blick immer auf den Horizont gerichtet zu halten und Ingwer-Medikamente.
  • Beim Morbus Ménière helfen bei einem Anfall die Abschirmung und Bekämpfung der Übelkeit mit Erbrechen durch Antiemetika und Antivertiginosa, sowie entwässernde Medikamente. Zur Vorbeugung von Anfällen werden Behandlungen mit verschiedenen Medikamenten durchgeführt und zur Prophylaxe eingesetzt.
  • Entzündungen und Nervenkrankheiten können mit medikamentösen Therapien und durch Ruhe gelindert werden. Wobei es auch Krankheitsbilder gibt, bei denen ein zeitweises oder dauerhaftes Schwindelgefühl bleibt.
  • Ist ein Tumor der Auslöser, muss entschieden werden, ob dieser entfernt werden kann. Wenn nicht, können Medikamente wenigstens den Gleichgewichtsstörungen entgegenwirken.
 

Übungen bei Gleichgewichtsstörungen

Und plötzlich beginnt alles zu Schwanken oder sich zu drehen...

Akut auftretender Schwindel, eine beängstigende Situation, die im Schnitt jeder Dritte mindestens einmal erlebt. Bei älteren Menschen ist Schwindel sogar, eine der an den häufig genannten Beschwerden beim Arztbesuch.

Es gibt eine ganze Reihe von Schwindelarten und viele Ursachen. Als besonders beunruhigend werden plötzlich auftretende Schwindelanfälle erlebt. Wichtig ist, gerade wenn Schwindel häufig auftritt, die Beschwerden vom Arzt abklären zu lassen. Nur so ist es möglich, erstere Erkrankungen frühzeitig auszuschliessen und den Schwindelauslöser auf die Spur zu kommen. Bei unklaren Befunden wird der Arzt an einen HNO Ohrenarzt, Neurologen oder an eine Schwindelambulanz überweisen.

Es gibt verschiedene Tests, um Schwindelursachen herauszufinden:

Etwa eine Stand- und Gang- Untersuchung zur Überprüfung der Kleinhirnfunktion, die Begutachtung der Augenbewegung beim sogenannten Video-Kopfimpulstest (vHIT) oder die Lagerungsprüfung. Hierbei wird festgestellt, ob allenfalls Calciumcarbonat-Kristalle aus den vorderen Teilen des Gelichgewichtsorgan in die Bogengänge gelangt sind und dort Schwindel verursachen.

Generell lassen sich gerade bei Rezeptor, beziehungsweise Nervenausfällen oder beim sogenannten multifaktoriellen Unsicherheitsgefühl im Alter mit regelmässigen Übungen, der Körper und der Gleichgewichtssinn trainieren. Das Gehirn lernt dabei auch, Schwindel auslösende Ursachen leichter zu verarbeiten. Wir möchten Ihnen im folgenden Video einige Übungen zeigen, die Sie selbst Zuhause oder teils auch in der Pause am Arbeitsplatz ganz einfach durchführen können:

Ein Kopfimpulstest (HIT) ermöglicht eine schnelle seitenspezifische Untersuchung des Vestibulookulären Reflexes, womit schnell und präzise bestimmt werden kann, welches Ohr im Falle einer peripheren vestibulären Störung betroffen ist. Video zu Kopfimpulstest (vHIT):

Fragen zu Gleichgewichtsstörungen (FAQ):

 

Was verursacht Gleichgewichtsstörungen?

Gleichgewichtsstörungen werden verursacht durch:

  • zu schnelle Positionsänderungen
  • körperliche Verspannungen und schlechte Körperhaltung
  • Medikamente
  • Alkohol
  • diverse Krankheiten
  • die See- und Reisekrankheit
  • Augenprobleme
  • Vestibularausfall
  • Entzündungen
  • Retrocochleäre Tumore
 

Wie merkt man Gleichgewichtsstörungen?

Gleichgewichtsstörungen merkt man durch Schwindel und Orientierungsstörungen im Raum. Meist geht der Schwindel mit vegetativen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, möglichem Erbrechen und Herzklopfen einher. Umfallen durch gestörte Informationen des Gleichgewichts- und Lagesinns kann ebenfalls eintreten.

 

Kann man Gleichgewichtsstörungen heilen?

In der Regel heilen sich Gleichgewichtsstörungen bei mechanischen Traumata von allein. Prophylaktisch kommt Ingwer zum Einsatz. Bei Krankheiten kommen entwässernde Medikamente, Antiemetika, Antivertiginosa und Antibiotika zum Einsatz. Notfalls muss operativ eingegriffen werden.

 

Können Gleichgewichtsstörungen von den Augen kommen?

Ja, wenn Augen und Gleichgewichtsorgan unterschiedliche Informationen an das Hirn liefern. Dies kommt häufig bei der Reise- oder Seekrankheit vor. Erhöhter Augeninnendruck, Schielen, Stereosehen oder eingeschränktes peripheres Sehen können ebenso zu Schwindelgefühlen führen.

 

Was sind Ursachen für Schwindel?

  • Schlecht angepasste Brille
  • Kreislaufstörungen
  • multiple Sklerose
  • Kleinhirninfarkt
  • usw.